Mein Name ist Gunther Trenck, Fähnrich der kaiserlichen Armee. Ich sehe sie oft hier, aber leider selten allein. Wollen wir uns nicht auf eine Bank setzen? Ich würde mich sehr glücklich schätzen, wenn sie zusagten!“
Flora strahlte, ob seines Vorschlags. Sie nannte ihm ebenfalls ihren Namen, der Gunther natürlich längst bekannt war. Schon lange faszinierte ihn die junge Komtesse und er fieberte danach, sie endlich kennenzulernen. So setzten sie sich auf eine der Parkbänke, die etwas abseits der Wege lag. Floras Puls klopfte heftig. Sie hatte Angst, dass sie jemand bei ihrem Gespräch beobachtete.
Wenn Lina davon erfuhr, würde sie sofort die neue Rute an ihr ausprobieren. Sie rieb nervös ihren Po an der Bank. Gunther spürte ihre Anspannung. Besorgt fragte er Flora, ob mit ihr alles in Ordnung sei. Seine mitfühlende Art half ihr, machte es leichter, die bittere Wahrheit zu sagen. Sie lächelte gequält.
„Mitnichten, lieber Gunther! Es ist mir etwas peinlich, darüber zu reden. Wir kennen uns ja kaum.“
Trenck versicherte ihr, dass er ihr Geheimnis bewahren würde, gab ihr sein Ehrenwort darauf.
Flora glaubte dem vertrauenserweckenden Offiziersanwärter, der ihr darüber hinaus geeignet schien, um sich ihm anzuvertrauen. Mit stockender Stimme beichtete sie ihm das Erlebte:
„Mein Papa hat meine Schwester Lina ins Haus geholt. Er übertrug ihr meine Erziehung, was einem furchtbaren Affront gleichkommt. Ich bin immerhin 19 Jahre alt, dazu eine Komtesse! Ach Gunther, es ist einfach schrecklich, was ich zu erdulden habe. Ich verstehe meinen Vater nicht, dass er diese Dinge zulässt…“, sie stoppte jäh, hatte Angst schon zu viel verraten zu haben. Der Fähnrich fragte sie:
„Fräulein Flora, sagen sie mir doch, um welche Dinge es sich handelt. Vielleicht kann ich ihnen helfen? Sie brauchen sich nicht zu fürchten! Es bleibt alles unter uns beiden. Ich schwöre es ihnen!“
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