Konkurrenz

Hochhausromantik - Teil 2

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Yupag Chinasky

Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, Jessi samstags am späten Vormittag anzurufen und sich mit ihr zum Essen zu verabreden. An diesem Tag hatte er frei, sowohl von der Arbeit als auch von seinen häuslichen Pflichten, außer wenn etwas Unvorhergesehenes eintrat oder etwas Besonderes anstand, etwa eine größere Reparatur im Haus oder ein größerer Einkauf, doch das war selten der Fall. Das Reihenhaus in dem ruhigen, verschlafenen Vorort, in dem er mit seiner Frau wohnte, war solide gebaut und da er keinen handwerklichen oder gestalterischen Ehrgeiz besaß, gab es für ihn nicht viel zu tun, auch nicht in dem kleinen Garten, dem Reich seiner Frau. Sie waren kinderlos und beide berufstätig, er in einer Softwarefirma, sie als Lehrerin an einer Realschule. Ihr Einkommen war nicht übermäßig, aber es reichte zu einem unbeschwerten Leben, sogar mit etwas Luxus. In ihrer Beziehung hatte sich im Laufe der Zeit eine gewisse Gleichgültigkeit eingestellt, ein Trend vom Miteinander der frühen Jahre zu einem weitgehend reibungslosen Nebeneinander. Reibungen kamen von anderer Seite. Bei ihm war es der Beruf. Er war als Spezialist für Internetbanking mit Projekten befasst, die als höchst wichtig und höchst dringlich galten. Man erwartete von den Mitarbeitern, dass sie sich voll einsetzten, ihr Bestes gaben, ohne Rücksicht auf private Dinge. Oberstes Ziel war, die Auftraggeber mehr als zufriedenzustellen. Er spielte selbstverständlich mit, weniger aus Überzeugung als aus der Einsicht, dass trotz aller Spezialisierung und Erfahrung ein anderer recht schnell seine Stelle einnehmen könnte, der Konkurrenzdruck war sehr hoch. Als Folge dieser Ausbeutung, denn nichts anderes war es, stand er unter permanentem Druck und musste viel mehr Zeit in die Arbeit investieren, als ihm eigentlich recht war. Seine Freizeit war viel zu knapp, viel zu kurz, um sich zu erholen, geschweige denn, um noch anspruchsvollen Interessen nachzugehen oder gar an etwas Kreatives zu denken. In seinem außerberuflichen Leben herrschte ein apathisches Desinteresse und seine Lebensfreude fand er fast nur noch auf kulinarischem Gebiet. An Sonntagen gingen er und seine Frau in ein angesagtes Restaurant, suchten einen exquisiten Landgasthof auf oder kochten selbst ein aufwändiges Menü. Bei diesen Gelegenheiten, aber nicht nur bei diesen, sprach er reichlich den dazu passenden, teuren Getränken zu, meist mehr als ihm guttat.
Seine Frau hatte ebenfalls mit einigen permanenten, berufsbedingten Unannehmlichkeiten zu kämpfen. Ihr Klientel waren vor allem unerzogene, pubertierende Jugendliche, denen sie Tag für Tag gegenüberstehen musste und deren Aggressivität, gepaart mit Desinteresse, sie in Dauerstress versetzte. An diese Belastung hatte sie sich in all den vielen Jahren nicht gewöhnen können und es bestand auch keine Aussicht, dass sich daran etwas ändern würde, jedenfalls so lange nicht, wie sie berufstätig war. Noch problematischer, wenn auch erst seit einigen Monaten, war die Sache mit ihren Eltern. Sie wohnten in einem Dorf in der Nähe und die Samstage verbrachte sie damit, für sie einzukaufen und zu kochen, meist für eine Woche im Voraus. Dann aßen sie zusammen und nach dem Essen half sie ihnen, all den Kram zu erledigen, den sie allein nicht mehr schafften und das war jetzt schon das meiste und wurde immer mehr. Schließlich fühlte sie sich auch noch verpflichtet, mit ihnen einen Spaziergang oder einen kleinen Ausflug zu machen, weil „die beiden sonst gar nicht mehr ihre Festung verlassen“, wie sie ihrem Mann erklärte. Für gewöhnlich kam sie erst am frühen Abend wieder zurück und war dann ziemlich erledigt. Von Zeit zu Zeit war auch er gefragt, wenn an Geburtstagen oder an manchen Feiertagen ein Besuch unumgänglich war oder wenn sein spärliches handwerkliches Geschick benötigt wurde. Aber das waren Ausnahmen und er war froh, dass seine Frau ihn nicht mehr anforderte. Zum Glück gab es auf seiner Seite kaum Verwandtschaft, nur eine entfernt lebende Cousine, der er regelmäßig zum Geburtstag und zu Weihnachten eine Karte schickte, sie hin und wieder anrief und nur alle Jubeljahre besuchte.
An Samstagen hatte er also ausreichend Zeit für sich und nutzte sie. Er fuhr meistens in die Innenstadt, erledigte, was zu erledigen war oder ließ sich auch nur in dem Menschenstrom der Samstagseinkäufer durch die Straßen treiben. Wenn er bei schönem Wetter keine Lust auf Stadt hatte, ging er am Fluss oder in einem Park spazieren. War es warm genug, radelte er gerne zu einem nah gelegenen Weiher, schwamm ein paar Minuten, legte sich die meiste Zeit aber nur auf die Wiese, hörte Musik mit seinem Handy, schmiedete Pläne, die er selten umsetzte und beobachtete die Menschen um sich herum, vorzugsweise Mädchen und Frauen in knappen Bikinis. Bei schlechtem Wetter fand er Vergnügen darin, einen Kinofilm im Nachmittagsprogramm anzusehen, die Chance, dass er dabei nicht einschlief, war deutlich größer als bei einem Kinobesuch am Abend. Wenn kein interessanter Film lief, besuchte er schon mal ein Museum oder in eine Ausstellung. Die Beschäftigung mit Kunst war eine der wenigen Interessen, die er noch pflegte. Mittags aß er eine Kleinigkeit, wirklich nicht viel, denn der Samstag war der Abnehmtag, meistens in einem Schnellimbiss oder in der Nordsee, er liebte Fisch und alles, was aus dem Meer kam. Seine Samstage waren weder aufregend noch aufwändig noch abwechslungsreich, sie waren so, wie sein Leben. Sie entsprachen seinem Naturell, waren die Folge seiner latenten Lethargie des Privatlebens, die in deutlichem Kontrast zu der im Beruf geforderten hohen Aktivität stand. Aber er ging immer aus dem Haus, ob das Wetter nun gut oder schlecht war, allein wollte er nicht daheimbleiben. Allerdings war er aber auch außer Haus allein. Seine Lethargie zeigte sich auch in einem Mangel an Kommunikation. Er besaß keine Freunde, mit denen er sich hätte regelmäßig treffen wollen und er suchte auch keine. Ihm reichte der tägliche Umgang mit den Arbeitskollegen und die gelegentlichen gemeinsamen Besäufnisse zum Abladen der permanenten Frust, die, wenn überhaupt freitags nach der Arbeit stattfanden und regelmäßig den Zorn seiner Frau hervorriefen, die allerdings weniger Angst um seine Gesundheit als um seinen Führerschein hatte. Er war sich also meistens selbst genug. Gegen Abend kehrte er nach Hause zurück. Manchmal war er früher daheim, manchmal seine Frau. Sie aßen dann gemeinsam zu Abend und tauschten die Erfahrungen und Erlebnisse des Tages aus, das heißt, eigentlich redete nur sie, um ihren angesammelten Frust loszuwerden. Er steuerte meist nur ein paar Stichworte zur Unterhaltung bei. Auf Nachfrage sagte er dann, dass es so wie immer gewesen sei. Doch seine Frau fragte selten nach, sie war zu sehr mit ihrem eigenen Kram beschäftigt. Bei diesem geregelten Programm war es kein Problem für ihn, Jessi in den Ablauf der Samstage einzubauen. Von ihr erzählte er seiner Frau natürlich nichts.
Er traf Jessi regelmäßig bei einem Italiener in ihrer Nähe zum Mittagessen. Beide mochten Spaghetti und frische Salate. Er schätzte es, immer in demselben Restaurant zu essen, weil seine Frau italienisches Essen nicht mochte und so keine Gefahr bestand, dass der Kellner sich in ihrer Anwesenheit nach der netten piccola negra erkundigen könnte. Das „Adria“ gehörte zu der beruhigenden Routine fester Gewohnheiten, die sich in ihrer Beziehung sehr rasch eingestellt hatte. Diese Routine wurde auch in dem nachfolgenden Tagesprogramm beibehalten. Er fuhr mit Jessis in eines dieser Einkaufszentren am Stadtrand, eine Örtlichkeit den seine Frau nie aufsuchen würde. Dort bummelten sie durch die Geschäfte und er erledigte, was er zu erledigen hatte. Jessi ging gerne mit, denn für sie fiel immer eine Kleinigkeit ab: ein T-Shirt, Kosmetika oder eine Packung Pralinen. Manchmal, wenn er gut drauf war, bekam sie sogar etwas Größeres: Unterwäsche, was eigentlich überflüssig war, weil sie selten etwas darunter trug, schon eher eine schicke Bluse oder ein paar Schuhe. Und einmal, an ihrem Geburtstag im Oktober, war er besonders großzügig und schenkte ihr eine Perlenkette, die in einem Juwelierladen gerade im Angebot war. Sie war über dieses Geschenk so begeistert, dass sie die Kette gar nicht mehr ablegen wollte und auch er fand den Kontrast der weißen Perlen zu ihrer Schokoladenhaut sehr apart. Wenn sie nicht einkaufen gingen, gab es bei schönem Wetter eine Spritztour in die Umgebung und bei Regen Kino oder ein Museum. Im Kino saß Jessi ganz still neben ihm und verfolgte den Film, obwohl sie, wie sie ihm gestand, nur wenig von dem mitbekam, was geredet wurde. Sie begleitete ihn genauso gern in ein Museum. Sie liebte Museen, allerdings nicht das, was dort ausgestellt war, sondern das Gebäude, die Räume, die Ruhe, die langweilige Behaglichkeit. „Hier alles sauber und schön und ruhig, viel ruhig. Man nicht muss essen, nicht muss trinken, nur sitzen. Du sehen Bilder, ich sehen dich, wie du sehen Bilder. I like it, you know.” Das Museum bot ihr etwas, was sie sonst nicht hatte, ein angenehmes, entspanntes, ruhiges Zuhause.
So gegen drei oder vier, je nach Programm, begann der Höhepunkt des Tages. Sie gingen in das Hochhaus und hatten Sex auf der roten Couch. Es gab auch ein Schlafzimmer, aber das war tabu, das war die unbedingte Privatsphäre der beiden Frauen. Die Tür war immer zu, er vermutete sogar abgeschlossen. Er hatte es in der ganzen Zeit seiner Besuche nicht einmal betreten. Sex im Badezimmer blieb außen vor, wie auch alle andere Experimente oder Extravaganzen. Ihr Sex war im Grunde genommen einfallslos und lief immer nach dem gleichen Schema ab: Ein wenig variantenreiches Vorspiel, etwas gegenseitiges befummeln und herum lecken an den intimsten Stellen, niemals richtige Küsse, dann ein kurzer Höhepunkt, fast immer in derselben Stellung, der konventionellen Missionarsstellung oder auch mal von hinten, aber immer nur in die richtige Öffnung. Dem Akt folgte dann eine lange Ausruhephase, obwohl sich beide gewiss nicht übernommen hatten. Ihr Liebesleben war rasch zu einer eingespielten Routine gelangt. Sie mussten sich nichts beweisen und wollten nichts Neues erforschen. Nur einmal machte er etwas Ungewöhnliches. Er hatte eine kleine Digitalkamera mitgebracht und schoss ein paar Bilder von der Wohnung, von ihr und von sich beiden, wie sie nackt auf der Couch lagen. Er streckte die Kamera mit der einen Hand so weit wie möglich von sich weg, die andere hatte er um ihre Schulter gelegt. Jessi, die sich eng an ihn schmiegte und mit ihren Armen und Beinen umklammert hatte, musste den Kopf gehörig verrenken, um auch in die Kamera blicken zu können. Er drückte ein paar Mal ab, die Bilder waren zwar scharf, aber dennoch schlecht. Er schauten reichlich dämlich in die Kamera, Jessi war etwas entspannter, ihr Blick, wie immer, süß, aber die Perspektive war dämlich, das ganze Bild war zum Wimmern. Es sollten Andenken an die schönsten Momente in seinem derzeitigen Leben sein, das sagte er ihr jedenfalls. Er ahnte nicht, dass sich genau diese Bilder als ziemlich verhängnisvoll erweisen sollten.
Mit ihrem eingespielten Minimalprogramm war er zufrieden. Seine Ambitionen hielten sich auch auf diesem Gebiet in Grenzen. Er genoss es nur, wieder regelmäßig Sex zu haben und die notwendige Partnerin nicht mühsam suchen zu müssen. Die sexuellen Beziehungen zu seiner Frau hatten sich nämlich stark abgekühlt, aber er hatte trotzdem bisher keinen regelmäßigen Kontakt zu einer anderen Frau gesucht. Er hatte nie ein Verhältnis mit einer festen Freundin angestrebt und mit Prostituierten hatte er sich eigentlich auch nicht vergnügt. Er suchte sie nur gelegentlich auf, um den Druck, der sich in ihm aufstaute, abzulassen und immer nur dann, wenn ihm die einförmige Masturbation, die er gewöhnlich dafür anwendete, zum Hals heraushing. Er war, im Grunde genommen, sexuell recht genügsam, wunderte sich aber, dass auch Jessi im Bett anscheinend ebenfalls genügsam war. Als Nutte, so seine Vorstellung, müsse sie doch die Raffinessen des Liebeslebens kennen und schätzen. Doch als er sie eines Tages fragte, gestand sie ihm, dass sie ihn gerade wegen seines langweiligen Verhaltens gut fand. „The time with you is so relaxing for me, you know. It is private, no job. I have not to show that I am good and sexy.“ Das leuchtete ihm ein und er war froh, dass es so war. Nach der Pflicht lagen sie, wie gesagt, entspannt auf der Couch, knabberten Nüsse, sahen sich das Fernsehprogramm oder Videoclips auf seinem Laptop an. Er döste dann ein und holte seinen Mittagsschlaf nach. Es waren Gewohnheiten, die sich einstellten, wenn ein Paar lang genug zusammen war und Jessi schien selbst diese langweilige Routine zu genießen, denn sie ermunterte ihn ausdrücklich zu seinen Nickerchen und seinen anderen Ritualen, so wie die Sache mit den Drinks. Am Anfang hatte er immer eine Falsche Wein mitgebracht, die er aber allein austrinken musste, da Jessi Wein nicht mochte. Das war ihm dann mit der Zeit zu viel geworden, eine ganze Flasche Wein am Nachmittag und deshalb ging er dazu über, sich regelmäßig einen Longdrink zu genehmigen, einen Martini oder Campari. Einen der Aperitifs, die speziell für die Kunden immer im Haus waren. Wenn er sich in der entspannten Ruhephase auf der Couch noch keinen Drink genehmigt hatte, ermunterte ihn Jessi dazu, ja sie ging sogar selbst in die Küche, um die Flasche zu holen. Für sich brachte sie ein Glas Orangensaft mit und manchmal goss sie sogar einen kleinen Schluck von dem roten Zeug in die gelbe Brühe. Campari-orange war der einzige Drink, den sie mochte. Pünktlich um halb sechs ging er. Wenn er sich nicht selbst fertigmachte, die Schuhe anzog, in die Jacke schlüpfte, seine Sachen zusammen kramte, wurde er regelrecht hinauskomplimentiert. Die Wohnung musste ab sechs frei sein, frei für Naomi, für die Kunden und das Abendprogramm.
Seine Vermutung, welchem Broterwerb die beiden Frauen nachgingen, hatte sich bereits bei seinem zweiten Besuch bestätigt. Auf seine Frage, womit sie ihr Geld verdiene, antwortete Jessi lakonisch „sex, of course, what did you think?“ Sie erzählte ihm recht freimütig, dass beide als Prostituierte arbeiteten und wie sie ihr Geschäft organisiert hatten. Ja, sie würden Männer in ihrer Wohnung empfangen. Ob das bereits ein illegales Bordell sei, diese Frage könne sie ihm nicht beantworten, weil sie keine Ahnung von all dem Kram habe, das mache alles Naomi. Hier in dem Hochhaus würde der häufige Männerbesuch jedenfalls niemanden stören. Das war auch seine Erfahrung. Nur einmal hatten ein paar freche Kinder ihm im Hausflur Hurenbock nachgerufen, als er im Lift das achte Stockwerk drückte. Ansonsten interessierte es anscheinend niemanden, wer in diesem Haus ein und aus ging. Meistens sei nur eine von beiden tätig, fuhr Jessi fort, während die andere spazieren ging oder in einem nahe gelegenen Lokal wartete oder sich ruhig im Schlafzimmer aufhielt. Ja, die Arbeit fand auf der roten Couch statt, niemals, sie betonte das Wort, niemals im Schlafzimmer, das sei privat und tabu, genau so wie küssen auf den Mund, fügte sie lachend hinzu. Manchmal würden sie zu zweit arbeiten, wenn ein Kunde den Wunsch auf einen flotten Dreier habe, das sei aber für den doppelt so teuer und daher käme es nicht oft vor. Sie hätten keine Laufkundschaft, sie kannte den Ausdruck, zu ihnen kämen entweder Stammkunden oder solche auf Empfehlung, auch dieses Wort war ihr geläufig. Nein, Kontaktanzeigen würden sie keine aufgeben, das sei nicht nötig, die Empfehlungen der Stammkunden und eine Website, das würde völlig ausreichen, sie hätten genug zu tun. Ja, sie würden jeden Tag arbeiten, vor allem abends, aber auch in der Mittagspause sei der Andrang groß. „We are every evening on the job, you know“, auch am Wochenende, aber da kämen tagsüber nur wenige, viele dagegen am Samstagabend. Sie stöhnte wegen seiner Neugier, als er wissen wollte, wie lange die Kunden blieben und was sie geboten bekämen. Selten länger als eine Stunde, die Mittagskunden oft nur zehn oder zwanzig Minuten und was sie bekämen? Alles, was sie wollten, nur keine Mundküsse. Samstags sei es tagsüber flau, die üblichen Kunden seien im Baumarkt oder mit der Familie unterwegs und erst am Abend ginge das Geschäft wieder los. Deshalb könne sie ihn am Samstag treffen, auch am Sonntag, wenn er wolle. Er winkte ab, sonntags nie. Warum sie gerade ihn wolle, er sei doch weder schön noch attraktiv? Sie lachte, er sei aber so herrlich langweilig und dazu noch nett und nicht anspruchsvoll, was ihre Dienstleistung beträfe und zudem zuverlässig. Er sei einfach normal, „you are damn normal, you know“. Gerade deswegen würde er ihr ein Gefühl von Familienleben vermitteln, ein Gefühl, das sie sehr vermisse. Was wolle man mehr von einem Mann, außer Geld und Treue, lachte sie? Aber so versicherte sie ihm umgehend, er sei für sie mehr, viel mehr als nur ein beliebiger Kunde. Sie würde nicht nur wegen des Geldes jeden Samstag mit ihm zusammen sein. Sie hatten sich in der Tat stillschweigend darauf geeinigt, dass er bei der Verabschiedung einen Geldschein auf den Couchtisch legte, außer wenn er ihr ein aufwändiges Geschenk gemacht hatte. Er fühlte sich zwar nicht als Kunde, das keineswegs, aber er wusste, dass sie auf sein Geld angewiesen war und er sah sich nicht in der Situation eines beliebigen Freiers, der für jeden Fick bezahlen musste. Er fühlte sich, als....? Beim Nachdenken war ihm ein Begriff eingefallen, der ihm zutreffend erschien, er fühlte sich als eigennütziger Entwicklungshelfer.

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