Sie kamen sich sehr nahe an diesem Tag. Magda verstand nun, weshalb sie sich Hedwig gegenüber so distanziert verhalten hatte. Diese reife, erfahrene Frau brachte etwas in ihr zum Schwingen. Versteckte Empfindungen, die nun an die Oberfläche drängten. Diese Glücksgefühle gaben ihr die nötige Gewissheit: sie konnte ihrer neuen Geliebten vertrauen. Dann schloss Magda die Türe ab.
Hannes hielt es nicht mehr aus, schnappte sich sein Fahrrad und radelte einfach los. Die Mädchen von Ruteberg hatten Sportunterricht, das wusste er. Vielleicht konnte er mit Charlotte sprechen, sie fragen, ob alles in Ordnung war. Bestimmt war sie wütend auf ihn, glaubte dass er sie verpetzt hatte.
Wenn Frau Doktor ihr Haue gab, womöglich auf den Blanken? Hannes wollte gar nicht dran denken!
Er trat in die Pedale, fuhr stellenweise querfeldein. Sein Hintern schmerzte, doch das war ihm egal.
Hannes sehnte sich nach Charlotte, wollte seinem Mädchen alles erklären. Dann sah er das Schloss vor sich. Er lehnte das Rad an einen Baum, schlich sich durch ein kleines Wäldchen zum Sportplatz des Internats. Die Mädchen spielten Völkerball, warfen sich mit einem Ball ab. Charlotte war auch da, gottseidank! Hannes sah gleich, dass sie humpelte. Ein ungutes Gefühl kam in ihm hoch. Sie schien Schmerzen zu haben und zwar an einer gewissen Stelle. Immer wieder rieb sie sich heimlich den Po, massierte den Sitz ihrer kurzen Sporthose. Hannes hoffte, dass es nicht ganz so schlimm um sie stand. Wenigstens hatte er ungesehen das Backfisch-Aquarium erreicht, wie das Schlossinternat bei den Jungs scherzhaft genannt wurde. Schmachtend sah er zu Charlie hinüber. Die Kleine war klasse!
Hannes konnte sein Glück kaum fassen, als ein Ball im Gebüsch verschwand. Charlotte machte sich auf den Weg, ihn zu suchen, lief genau auf sein Versteck zu. Er griff nach dem Ball, nahm ihn in seine Hände. Dann raschelte es.
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