Hedwig nutzte diese Gelegenheit. Die angehende Lehrerin reizte
sie besonders. Das lag auch an ihrer strikten Ablehnung der Prügelstrafe gegenüber, die Hedwig als unbedingt notwendig erachtete.
„Guten Tag Fräulein Schreiber. Haben sie schon von Charlottes und Tinas kleiner Eskapade gehört?“
Magda errötete. Natürlich wusste sie Bescheid. Sie hatte ja Charlies Gejammer gehört, als sie vor dem Büro der Direktorin stand. Danach kamen die Mädchen auf den Flur gelaufen, mit den Händen auf ihren wunden Popos. Magda fühlte mit ihnen. Die Striemen auf ihrem eigenen Hintern waren noch immer zu sehen und schmerzten bei jeder Bewegung. Sie versuchte es mit Gelassenheit.
„Oh ja, das Geschrei konnte man ja nicht überhören. Frau Doktor Streich hat den beiden sehr zugesetzt, wie mir scheint. Die arme Charlotte. Jetzt hat es sie also auch schon erwischt…“
„Ach was! Frau Dr. Streich hat sie übers Knie gelegt, weil sie einen richtigen Aufstand gemacht hat.
Bei mir wäre sie nicht um den gelben Onkel herum gekommen. Das schadet der Disziplin, finde ich.“
„Ich vermute, dass sie auch die Lehrkräfte bestrafen würden, wenn sie das Sagen hätten!“
Magdas spitze Bemerkung traf ins Schwarze. Hedwig geriet in Rage, sprach daher frei heraus.
„Wenn es eine der Damen verdient, wieso nicht? Schläge auf den bloßen Popo schaden keiner Frau.“
Magda antwortete mit einem skeptischen Blick, der ihre wahren Gefühle verschleiern sollte. Hedwig Reisers charismatisches Wesen verunsicherte sie. Magda stellte ihr eine provokante Gegenfrage:
„Und wenn sie selbst eine Dummheit begingen? Würden sie sich dann auch überlegen lassen?“
Hedwigs Lächeln konnte als lasziv bezeichnet werden. Dass ihre Plauderei in diese Richtung ging, war ja ihr Plan. Sie legte ihre Handflächen auf die Taille, sah Magda dabei kerzengerade ins Gesicht.
„Selbstverständlich, liebe Magda! Glauben sie vielleicht, ich wüsste nicht, wie ein Rohrstock schmeckt?
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