Konsequenzen

Verloren in einer Welt aus Liebe und Sex - Teil 42

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Jo Diarist

Ich nahm kaum wahr, dass Lea schwieg. Hatte ich zu Beginn der Schilderung noch Zorn empfunden, war es da nur noch unendliche Traurigkeit darüber, dass Gina unsere große Liebe, so mit Füßen getreten hat. Dass es anfänglich starke Liebe war, stand für mich außer Zweifel, wie aber ihre Sexsucht die so verdrängen konnte, begriff ich nicht.
Lea konnte gut in meiner Miene lesen. Sanft streichelte sie mich und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen.
„Es tut mir weh, deinen Schmerz zu sehen und doch konnte ich dir das nicht ersparen, weil ich weiß, dass dein Herz immer noch ein bisschen an ihr hing.“
Ich brachte immer noch keinen Ton heraus und nach einem weiteren Kuss, schlug Lea vor:
„Vielleicht sollten wir jetzt zu Susi gehen und darüber sprechen, wie es weiter geht.“
Es gelang mir vorerst nicht, irgendetwas dazu zu sagen. Alles in mir war tief verletzt. Alles hatte und hätte ich weiterhin dieser Frau geschenkt. Es wäre mir mit Sicherheit auch gelungen vieles hinzunehmen, wäre sie ehrlich geblieben, aber das Wissen um ihre Lügen zerstörte jegliche Zuneigung zu ihr.
Wie in Trance zog ich mich an und ging mit Lea ins Wohnzimmer. Die hatte das Babyfon mitgebracht und schlüpfte in ihre Kleidung, die im Wohnzimmer lag. Susi holte ein paar der Kerzen aus dem Schlafzimmer und entzündete sie wieder. Dann holte sie die Flasche Schnaps, die wir schon am ersten Abend angebrochen hatten, und schenkte drei Gläser ein.
„Ich glaube, das haben wir heute alle drei nötig“, meinte sie und prostete uns zu.
Obwohl Schnaps sonst nicht mein Fall ist, kam er mir an jenem Abend gelegen. Ich genehmigte mir auch ein zweites Glas und erst dann war ich fähig über die nächsten Schritte nachzudenken.
Ohne mir darüber im Klaren zu sein warum, war ich in den Sessel gesunken und die zwei Frauen saßen mir gegenüber auf der Couch und blickten mich gespannt an.
„Bitte nehmt mir das nicht übel, aber ich brauche jetzt den Abstand, um klar denken zu können und vor allem will ich euch ansehen, bei dem was wir jetzt besprechen.“
Beide nickten und Susi meinte:
„Ich habe nichts anderes von dir erwartet.“
„Gut. Als Erstes, ich bin mehr als geschockt. Habe zwar einiges geahnt, doch das wahre Ausmaß, vermutlich nicht erkennen wollen. Und jetzt kommt eine einschneidende Entscheidung Susi. Ich sag dir aber gleich, ich kann nicht anders und werde mich auch nicht umstimmen lassen. Ich kündige morgen meinen Job, weil ich mit diesem Wissen nicht mehr unter dem Chef arbeiten kann. Hoffentlich kannst du das verstehen.“
Lea hatte bei meinen ersten Worten erschrocken die Luft angehalten, doch Susi kannte mich schon besser, was ihre nachfolgenden Worte bestätigten:
„So und nicht anders soll es sein und hättest du jetzt nicht selbst so entschieden, hätte ich dich gedrängt, es zu tun. Ich kenn dich gut genug, um zu wissen, was auf Arbeit in dir vorgehen würde. Meine Gedanken gingen aber schon weiter, und auch wenn dir das schwer wird; rede Klartext mit dem Mann und verlange eine Entschädigung.“
Es würde mir wirklich nicht leicht fallen, doch verletzt, wie ich war, zog ich es in Erwägung.
„Das entscheide ich spontan. Es kommt vielleicht auch ein bisschen auf seine Reaktion an, denn ich will mit sofortiger Wirkung aufhören. Ich halte es keinen Tag länger aus, ihn zu sehen und zu wissen … Was allerdings problematisch wird, ich bin dann erst mal arbeitslos, den Kredit fürs Haus muss ich aber weiter mit bedienen.“
„Das macht mir keine Sorgen. Ich bin mir ganz sicher, dass wir schnell etwas Neues für dich finden. Außerdem solltest du ihn dazu drängen, dir zu kündigen, damit du aufs Arbeitsamt gehen kannst“, meinte Susi mit einem hintergründigen Lächeln.
„Du hast dir anscheinend wirklich schon einige Gedanken gemacht“, antwortete ich und konnte mich zu einem ersten leisen Lachen durchringen.
„Naja, ich hatte auch schon ein bisschen Zeit dazu und es ist mir wirklich schwergefallen, nicht schon vor Leas Ankunft mit dir darüber zu sprechen.“
„Wart mal, deshalb warst du in den letzten Tagen so einsilbig und hast auch so plötzlich die zwei Tage Urlaub eingeschoben, oder?“
„Hmm, hm. Lea hat mich am Montag schon angerufen und mir alles am Telefon erzählt. Es hat mich so belastet, dass ich, als du nach Hause kamst, kaum noch normal mit dir reden konnte. Wir haben dann jeden Tag miteinander telefoniert und ich habe ihr angeboten, zu uns kommen. Alles andere, was wir dir vorhin vorschlugen, haben wir heute persönlich besprochen.“
„Es ist euch wirklich ernst damit?“, fragte ich immer noch verunsichert.
„Ja“, kam es wie aus einem Mund.
„Und ihr seid euch sicher, dass das funktioniert?“
„Auf jeden Fall“, kam es sofort von Lea und Susi erläuterte:
„Hör zu, wir lieben dich beide und wissen, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Mir ist auch klar, dass es da unterschiede gibt. Lea begehrst du leidenschaftlich und im Bett agiert ihr im Gleichklang. Mich liebst du bodenständig und wir harmonieren im Alltag sehr gut. Das ist für mich auch nichts Negatives, weil dieses Zusammenspiel zwischen uns, Balsam für meine Seele ist. Was du aber noch nicht weißt und wir dir jetzt beichten müssen“, Susi holte tief Luft und Lea senkte verlegen die Augen. „Wenn Lea bei uns bleibt, wäre das in jeder Form eine Bereicherung für uns. Wir zwei sind nicht nur als Schwestern verbunden, wir lieben uns auch als Frauen und Lea kann mir das geben, was du, mit deiner besonderen Verbindung zu mir, nicht vermagst. Sie kann so hart zu mir sein, wie ich es ab und zu brauche.“
„Ihr zwei habt … seid …“, stammelte ich, weil ich das überhaupt nicht erwartet hatte.
„Jetzt bist du schockiert, oder?“, fragte Susi ängstlich.
Lea lachte auf und blickte mich fest an.
„Nein, schockiert bestimmt nicht. Nur überrascht, weil er nicht damit gerechnet hat. Er mag es nämlich sehr, Frauen beim Lesbensex zuzusehen. Es macht ihn richtig geil, aber du kennst ihn doch auch schon gut genug, um zu wissen, dass er ein Stück braucht, um das zu verarbeiten.“
Susi blickte mich fragend an und ich nickte bestätigend.
„Sie hat recht, ich muss manche Informationen erst einmal setzen lassen, bevor ich sie richtig einordnen kann. War das bei euch schon immer so?“
Die zwei sahen sich an und Lea übernahm die Antwort:
„Eigentlich erst, nachdem du in unser Leben getreten bist. Wenn wir mitbekamen, was in Sachen Sex bei dir abging, hat uns das geil gemacht. Erst haben wir’s uns nur selbst besorgt, doch wir haben’s ja meist zusammen erlebt und dann sind wir dazu übergegangen, uns gegenseitig zu helfen.“
Lea hatte mich die ganze Zeit beobachtet, war mit meiner Reaktion zufrieden und fragte abschließend:
„Du hast uns aber immer noch nicht gesagt, wie du zu unserem Angebot stehst. Stimmst du zu?“
„Gebt ihr mir ein bisschen Zeit um mich an den Gedanken zu gewöhnen? Ich bin ja nicht abgeneigt und es ist sicher ein Traum für viele Männer, doch ich befürchte, dem ganzen nicht gewachsen zu sein.“
Beide lachten laut auf und Lea sagte an Susi gewandt:
„Genau diese Reaktion habe ich dir prophezeit. Seine Versagensängste machen mich manchmal richtig wütend, aber andererseits macht es ihn aus und ich liebe ihn genau deshalb. Natürlich geben wir dir Zeit, nicht war Susi?“
Susi bestätigte das und wir saßen noch bis 04:00 Uhr morgens zusammen und besprachen vieles. Anschließen kuschelten wir zu dritt im Bett. Auf jeder Schulter von mir ruhte der Kopf einer Frau und auf meinem Bauch hielten sie Händchen, das gab mir Wärme und Geborgenheit. Es kehrte sogar so viel Ruhe in mich ein, dass ich bis zum Weckerklingeln selig schlief.

Mir klopfte das Herz bis zum Hals, als ich das Büro des Chefs betrat. Wie immer war er einer der Ersten in der Firma und ich suchte gleich den Kontakt.
Freundlich lächelte er mich an, bat mich Platz zu nehmen und fragte:
„Was führt dich zu mir? Gibt es Probleme?“
„Das einzige Problem, dass ich habe, hoffe ich jetzt umgehend zu beheben. Ich möchte mit sofortiger Wirkung mein Arbeitsverhältnis beenden“, antwortete ich mit vor Aufregung zitternder Stimme.
Es sah aus, als hätte er soeben einen K.-O.-Schlag bekommen. Seine Gesichtszüge wirkten, als wären sie plötzlich eingefroren und er brauchte ein ganzes Stück, um zu antworten.
„Wieso das? Und dir ist schon bewusst, dass du drei Monate Kündigungsfrist hast?“
„Ich denke, dass mit der Kündigungsfrist ist unerheblich aufgrund der besonderen Umstände. Sie wissen, dass ich von meiner Frau getrennt lebe und auch warum?“, ich war bewusst zum Sie übergegangen, obwohl wir schon seit Jahren per Du waren.
Jegliche Farbe wich aus dem Gesicht meines Chefs und er stammelte:
„Hör zu, da kann ich nichts dafür. Es war ihre Idee den Vertrag mit ihren Überredungskünsten unter Dach und Fach zu bringen. Sie schlug dieses Wochenende mit den Geschäftsführen der anderen Firma vor.“
Da wurde mir klar, warum sie diesen Wochenendtrip nicht absagen wollte und es beseitigte all meine Hemmungen.
„Ach, Sie denken, das ist der einzige Grund, weil ich sie zu diesem Zeitpunkt verlassen habe. Dass Gina an diesem Wochenende für mehrere Männer die Hure gegeben hat, war nur der letzte Auslöser. Was mich besonders wütend macht, ist Ihre Rolle in diesem Spiel. Mir ist sehr wohl bekannt, dass Sie einen Tag vor unserer Hochzeit ein Rudelbumsen mit ihr veranstaltet haben. Mag sein, dass Gina der treibende Keil war, aber Sie hätten auch Anstand zeigen können. Mir ist auch klar geworden, dass sie sich nach oben gefickt hat. Haben Sie Gina an dem Tag, als Sie ihr den neuen Job vermittelten, hier auf dem Schreibtisch gefickt, oder hat sie nur ihren Schwanz gelutscht?“
Der Mann war aschfahl und brachte kein verständliches Wort heraus, weswegen ich gleich zur Sache kam.
„Also gut, ich will’s gar nicht so genau wissen. Aber eins verstehen Sie sicherlich: Ich kann hier keinen Tag länger arbeiten. Sie werden mir fristlos kündigen und eine sehr gute Beurteilung schreiben! Außerdem erwarte ich eine Abfindung, für meine Jahrelangen guten Dienste!“
Das war zu viel für ihn und er kam wieder zur Besinnung.
„Jetzt gehen aber die Pferde mit dir durch. Was glaubst du …“
„Ich denke nicht“, fuhr ich ihn über den Mund. „Ist Ihrer Frau bekannt, was sie in dem Swingerclub so treiben? Und die Belegschaft hier würde sich sicher auch dafür interessieren.“
„Du willst mich erpressen?!“, fuhr er zornig auf.
„Nennen Sie es, wie sie wollen. Sie haben mich fast so sehr enttäuscht wie meine Frau. Ständig den freundlichen Chef zu geben und hinter meinem Rücken meine Frau vögeln, ist schon Frechheit pur. Ich will nur hier weg, und die Zeit überbrücken können, bis ich einen neuen Job habe. Sie können auch sicher sein, dass Sie dann nie wieder etwas von mir hören.“
Nach einigen tiefen Atemzügen, fragte er kleinlaut:
„Wie stellst du dir das vor, so einfach geht das nicht, gerade jetzt, wo jeder Mann gebraucht wird?“
„Es ist mit wurscht, wie Sie das machen. Ich gehe jetzt raus und übergebe meine Arbeit ordentlich an andere. Ordne alles, damit nichts offenbleibt, und erwarte das, was ich gefordert habe. Sind wir uns einig?“
Er machte nur eine resignierende Geste, die ich als Bestätigung verstand.

Drei Stunden später hatte ich alles geregelt, was bei allen Kollegen nur Unverständnis auslöste. Eingedenk meines Versprechens gab ich jedoch keine Hintergründe preis. Ein letztes Mal überprüfte ich, ob ich alles persönlich eingepackt hatte, als die Sekretärin mit einem großen Umschlag an mich herantrat.
„Was ist denn hier eigentlich los?“, fragte sie, als ich den Umschlag entgegennahm.
Gerne hatte ich bisher mit ihr auch Smalltalk betrieben, doch das durfte ich mir in dem Moment nicht erlauben und fragte deshalb nur:
„Ist dir bekannt, was hier drin ist?“
„Ja, ich hab’s geschrieben und versteh’s nicht. Aber er hat gesagt, du sollst es dir genau ansehen und mir mitteilen, ob es so in Ordnung geht.“
In dem Covert befand sich die gewünschte Kündigung, in einer Form, die mir sogar noch besser gefiel als das Geforderte. Die drei Monate Kündigungsfrist wurden eingehalten, ich aber sofort bei vollem Gehalt dienstfrei gestellt. Das war mir Entschädigung genug. Auch die Beurteilung ließ keine Wünsche offen. Weil immer das Monatsende galt, hatte ich also bis ende März Zeit mir was Neues zu suchen und da war ich sehr hoffnungsvoll.
Ich bekundete also meine Zufriedenheit und verließ zügig eine Belegschaft, die mir doch sehr ans Herz gewachsen war.

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