Kontrollverlust

Je oller umso doller - Teil 6

99 8-13 Minuten 0 Kommentare
Kontrollverlust

Kontrollverlust

Jo Diarist


Tief Luft holend griff ich ins Kleid, holte das Geld heraus und reichte es ihr mit folgenden Worten:
„Ihr habt erreicht, was ihr wolltet. Ich hab mich zur Hure gemacht und ich habe es in vollen Zügen genossen.“
Die zwei Frauen musterten die Scheine und Melle sagte:
„Einhundertzehn Euro. Wow, hast du dich ficken lassen?“
„Ja, von Udo.“
„Und er hat dir so viel dafür gegeben?“, fragte Heike erstaunt.
„Nein, einen Fuffi wie dir.“
„Was hast du für die anderen sechzig Euro gemacht?“
„Das war auch Sex, aber ich kann euch nicht sagen mit wem und was ich dafür gemacht habe.“
„Und warum bist du jetzt so fertig? Einhundertfünfzig Euro sind doch ein guter Schnitt fürs erste Mal.“
„Aarr Heike, du begreifst es einfach nicht. Ich bin fremdgegangen, hab mich dafür bezahlen lassen und es auch noch voll ausgekostet. Das ist etwas, was ich nie in meinem Leben tun wollte. Mein schlechtes Gewissen nagt an mir und das Schlimmste ist, ich will es wieder haben. In meinem Kopf tauchen Bilder auf, in denen ich mir ausmahle, wie Udo mich erneut nimmt. Und auch mit dem anderen Mann werde ich es weiterhin treiben. Ich habe es beiden versprochen, werde keinen Rückzieher machen und schäme mich dafür. Doch das Allerschlimmste ist meine Angst, dass es Norbert herausfindet und unsere Ehe daran zerbricht.“
Wir diskutierten noch eine Weile darüber, bis sie mich schließlich einigermaßen beruhigt hatten. Dann halfen sie mir, mich wieder salonfähig zu machen. Zum Glück hatte Melle ihre Handtasche mit. Sie erneuerten die Schminke, verstaute das Geld und den Loveplug und wir waren gerade fertig, als andere Frauen kamen.
Auf dem Weg zur Feier bat ich sie den Fahrdienst zu organisieren, denn ich wollte einfach nur noch nach Hause. Die beiden stimmten zu und am Eingang trennten wir uns, weil Udo sie zu sich heranwinkte. Zum Glück hatten wir einen Tisch in der hintersten Ecke, den ich ungestört erreichte. Eine angebrochene Flasche Wein stand dort und ich goss mir sofort ein Glas ein. Noch bevor die zwei Frauen kamen, hatte ich es zum zweiten Mal gefüllt und war auf dem besten Weg, mich um den Verstand zu saufen.
Heike setzte sich neben mich und sagte:
„Weißt du, wie uns Udo jetzt zusammengestaucht hat? Er hat uns übelste Vorwürfe gemacht, weil wir dich dazu gedrängt haben und ich glaube, wir haben es ein bisschen bei ihm verschissen.“
„Das wird schon wieder“, sagte ich und spürte schon die Wirkung des Alkohols.
„Übrigens, es dauert mindestens eine dreiviertel Stunde, bis wir gefahren werden können, weil vorher noch zwei andere Touren dran sind“, stellte Melle fest.

Diese Zeit reichte, um mich dem Wein so hinzugeben, dass ich bei der Abfahrt sturzbesoffen war. Alles Reden von Heike und Melle half nichts, ich brauchte das einfach. Sie brachten mich bis vor die Wohnungstür, die ich kaum aufbekam. Im Flur stieß ich die Bodenvase mit dem Weihnachtsgesteck um, wollte sie aufheben und musste würgen. Gerade noch so erreichte ich die Kloschüssel und kotzte mich lautstark aus.
Denken konnte ich kaum noch, brachte es aber fertig meine Kleidung in den Wäschekorb zu stopfen, mir andere Unterwäsche anzuziehen und mich grob zu waschen. Vorsichtshalber griff ich mir einen kleinen Eimer und stolperte ins Schlafzimmer. Norbert hob den Kopf, doch ich wollte nicht mehr reden oder denken.
„Sag nichts. Morgen reden wir“, gab ich stöhnend von mir, fiel ins Bett und kotzte noch einmal in den Eimer.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 20421

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben