Kostümchen

Tinas Geschichte

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Stayhungry

Gut, für meine Phantasien hatte ich ihn mir eben ein wenig aufgehübscht! Im Moment war war er von den Männern, die mir leibhaftig begegnen, eben der sympathischste. Der forscheste war er nicht, und das war wohl auch gut so, beruflich meine ich. So als Frau, wie gesagt, sah ich das ein wenig anders. Ich dachte an ihn beim Masturbieren und in meiner Phantasie war er schon selbstbewusster. In der Realität fixierte er mich nicht, wie es eine erotische Anziehung unweigerlich mit sich bringt. Er war einfach nur ein aufmerksamer, aufrichtig interessierter Gesprächspartner. Und ich brauchte in diesem frühen Stadium meiner Chefrolle auch wahrlich keine Büroaffäre mit einem Untergebenen. Ich ließ ihn also nüchtern im Ungewissen, ob je etwas geschehen könnte. Ihm sah ich an, dass er nicht wusste, was er von mir halten sollte. Er war in gewisser Weise irritiert, weder angenehm noch unangenehm berührt, nicht aufgewühlt und nicht erotisiert, lediglich im Unklaren, wo doch eigentlich alles klar war.

Vorerst, muss ich sagen. Meine geheimen Phantasien sollten noch Gelegenheit bekommen.

*

Von dem, was meine Mitarbeiter über mich dachten, bekam ich weit mehr mit, als sie ahnten. Manches wurde mir zugetragen, manches hörte ich einfach, wenn ich im Kopierraum stand und sie in der Kaffeeküche nebenan. Vor allem aber bedachten sie nicht, dass sich hinter der verschlossenen Tür in der Kaffeeküche die verstaubte Bibliothek der Abteilung befand, die ich in meiner Einarbeitung sehr häufig nutzen musste und nur von meinem Büro aus zu begehen war. Digital war da noch nicht viel. Dort bekam ich zwangsläufig viel mit, obwohl mir nie nach Lauschen war. Die Maulhelden und Besserwisser wussten natürlich alle, was ich mal brauche oder nicht hätte, sicher sei ich ein Eisberg, kenne nur meine Gesetzbücher usw. Ich musste immer schmunzeln, wenn ich dieses hämisch-vernichtende Urteil vernahm.

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