Kostümchen

Tinas Geschichte

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Stayhungry

Das war mehr als alle anderen gewagt oder für nötig befunden hätten, und ich folgte ihm ohne Zögern, Kneifen galt hier nicht. Er hielt sich, obwohl schon etwas zu beschwingt, ganz gut. Die meisten beobachteten uns, lästerten sicherlich über uns, über mich. Nur war es eindeutig, wer die Angelegenheit souverän beherrschte. Tanzen war seit jeher meine Leidenschaft. Nach einer wilden Runde mit ihm jedenfalls, war ich, anders als er, nicht ansatzweise außer Atem gelangt. Ein paar anerkennende Kommentare nickte ich gelassen ab und widmete mich wieder meinen Tischnachbarn.

Als die Kapelle auf besonderen Wunsch Tango anspielte, stach meinen heimlichen Fan der Hafer. Er forderte mich auf und schmunzelnd willigte ich ein. Ich stellte mich korrekt auf, mein rechtes Bein fest in seinem Schritt und wartete auf seinen Start. Leicht wie eine Feder lag ich in seinem Arm, reagierte auf jede Nuance, ohne dass er mich schieben oder ziehen musste. Ich atmete tief, doch ohne Anstrengung und mein genussvolles Lächeln ließ ihn nicht im Unklaren über meine Gefühle. Ich merkte ihm seine Anspannung an, sein Herz schlug bis zum Hals, denn unsere Hüften waren eng aneinander geschmiegt, so wie mein Tanzlehrer mir damals zu bedenken gegeben hatte, dass der Tango aus den Bordellen Argentiniens seinen Siegeszug angetreten hatte und man zumindest ansatzweise erkennen sollte, dass es sich bei diesem Tanz um eine sinnliche, leidenschaftliche Begegnung zwischen Mann und Frau handelt. Eine solche war unser Tanz auch, denn K. hatte eine respektable Erektion, die er mit rotem Kopf zu verbergen suchte, indem er sein Becken immer ein wenig von meinem zurückziehen wollte. Aber ich war gnadenlos, schmiegte mich in seinen Schritt und tat, als merkte ich nicht, wie geil er war. Zum Schluss schenkte ich ihm diesen tiefen Blick in seine Augen, der keinen Mann unberührt lässt, beherrscht bis in die letzte Faser meines Körpers, doch alles andere als unverfänglich.

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