Kostümchen

Tinas Geschichte

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Stayhungry

Doch ich merkte, wie er fahrig wurde, überdreht. Ach, Männer sind doch so durchschaubar! In ihm lief gewiss parallel dazu ein wilder Film, mein Bein in seinem Schritt beim Tanz, meine Nähe, mein Duft, meine grazilen, souveränen Bewegungen. Das alles hatte erkennbar gewirkt auf ihn. Ich fühlte mich ausgezeichnet! Er hatte den intensiven Hauch meiner Leidenschaft verspürt, und der hatte ihn in meinen Bann geschlagen. Und nun? Ich war heiter, aufgekratzt, unbekümmert. Und er? Er wurde nervöser, fühlte sich in der Gefahr, sich daneben zu benehmen. Seine Anspannung wuchs und die wollte er sich keinesfalls anmerken lassen.

Ich hatte wirklich leichtes Spiel.

*

Vor meinem Appartmenthaus am Rande des Parks deutete ich in die Seitenstraße und sagte, dort könne er parken. Das ist der entscheidende Moment, wenn ein neu bekanntes Paar so vor einer Wohnung steht. Sein Blut geriet sichtlich in Wallung und er war hochrot. Er sagte nichts, vermied es, mich anzusehen. Als er den Motor abstellte, blickte er mich an, brachte aber nichts heraus. Alles Mögliche schoss ihm wohl durch den Kopf, was bedeutet das, geht das, geht das gut. Ich beugte mich vor sein Gesicht und sagte lachend: Jetzt fang bloß nicht an zu denken! Ich hatte das Siezen aufgegeben, damit war die Situation eindeutig privat. Obwohl er doch älter war als ich, hatte ich das Zepter in der Hand. Klar, ich war auch seine Chefin. Und ich schenkte ihm Eindeutigkeit. Ich hatte nicht eine unverfängliche Einladung ausgesprochen zu einem Getränk, die man annehmen oder höflich ablehnen konnte. Ich hatte aber auch nicht lasziv geworben um sein Interesse oder seine Zustimmung. Ich setzte voraus, dass er mitkommen wollte, ohne dass ich als bestimmend oder gar herrisch aufgetreten wäre. Ich durchschaute ihn, aber ich spielte nicht damit und ich legte es nicht offen. Ich bahnte einfach den Weg.

Wir stiegen aus, und gingen schweigend und ohne Hast zum Haus. Wir hatten uns noch nicht berührt, ich lockte nicht und er war tunlichst darauf bedacht, keinen fauxpas zu begehen. Im Aufzug lehnte ich mich an die Wand und sah ihm direkt in die Augen, ohne Anspannung oder Verlegenheit, so ganz anders, als es ihm ging. Unser Schweigen hatte jedoch nichts Beklemmendes und meine Gelassenheit ging auf ihn über. Im vierten Stock verließen wir den Aufzug und betraten meine Wohnung. Mit meiner Aufforderung hatte ich ihm alle zwiespältigen Gedanken und Gefühle abgenommen, die von meinem bisherigen Auftreten her wohl auch nicht besonders angebracht gewesen waren. Sein Blut war schon in Wallung, er war erkennbar erregt, aber noch auf Zurückhaltung bedacht, kein übereinander Herfallen im Flur, auch kein verlegener Smalltalk, der Unsicherheit vertreiben soll, aber meist nicht kann.

*

Oh Gott, war ich feucht, als er endlich meine Brüste umfing. Es hatte wirklich eine Ewigkeit gedauert, bis er den Mut fand, von den guten Sitten zu lassen. Zart waren seine Hände und doch voller Kraft. Seine fordernden Lippen fanden meinen Nacken und sein Unterleib mit einer sehr harten Wölbung drängte sich an meinen sehr empfänglichen Po.

Hatte ich es doch gewusst! Hinter der schüchternen Fassade eines still zurückhaltenden Mitarbeiters brodelte eine sehr lebendige Leidenschaft! Und die gedachte ich heute Nacht in allen Facetten zu ergründen!

Never fuck the company?

Das war mir an diesem Abend nun wirklich herzlich egal!

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