Kostümchen

Tinas Geschichte

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Kostümchen

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Stayhungry

Kapitel 1 aus: Tinas Geschichte

Gefällt Dir der Ausblick? fragte ich und tat so, als interessierte ich mich für seine Meinung über den Blick durch die Glasfront meines Wohn- und Essbereichs auf die Dachterrasse, von der man über den Park zur gotischen Altstadt mit Basilika und hoch darüber der Burg sehen konnte. Edel eingerichtet, mit strengen, klaren Linien, erweckte meine Wohnung nicht den Eindruck, dass ich wirklich verweilen wollte, Residenz einer gut verdienenden Führungskraft, die wahrscheinlich hier doch nur Zwischenstation machen würde. Dezentes Licht im Raum erleichterte den Blick auf die nächtliche Stadt und mit leisem Cool-Jazz gab ich dem Ganzen eine ansprechende Untermalung.

Ich ging in die Küche, holte eine Sektflasche aus dem Kühlschrank und zwei langstielige Gläser aus der Vitrine. Ein fragender Blick und er nickte, obwohl er Sekt im Büro bei Geburtstagen immer abgelehnt hatte. Wir stießen an und er sagte tatsächlich mutig: Auf diese Nacht! Ich schmunzelte, drehte mich wortlos um und lehnte mich in die offene Terrassentür. Als Verführer hatte er sicherlich schon mal eine bessere Figur gemacht, doch es störte mich nicht. Mein Amüsement schien er nicht als spöttisch, sondern mehr als Ausdruck eines souveränen Wohlwollens zu empfinden.

Ich wusste, ich war wunderschön anzusehen, ein lauer Wind bewegte mein Haar und meine Formen zeichneten sich sehr attraktiv gegen das spärliche Licht ab, das von der Straße schien. Ich kenne die Stadt, und der Blick von hier ist sehr ansprechend, aber ein anderer Ausblick fasziniert mich weit mehr, flüsterte er in mein Ohr, ohne mich zu berühren. Diese frivole Anspielung mir gegenüber empfand ich schon als mutig.

Schließlich war ich seine Abteilungsleiterin.

*

„Kostümchen“ nannten sie uns Juristinnen Mitte zwanzig, nach unserer bevorzugten Bekleidung für den Dienstgebrauch, deren schlichte Eleganz immer etwas hausbacken und altjüngferlich wirkte. Nur damals war eben ein zurückhaltender Dress-Code angesagt. Ich hatte mich dem gefügt, denn ich hatte keine Lust, als junge Frau Ziel plumper Anmache zu werden, hatte ich doch von einem Tag auf den anderen eine Abteilung zu leiten mit Leuten, von denen einige meine Eltern hätten sein können. Da war es schon von Vorteil, vor allem als Vorgesetzte wahrgenommen zu werden. Im Übrigen fand ich mich auch ohne Aufdonnern durchaus attraktiv mit meinen langen dunklen Haaren und den großen braunen Augen.

„Kostümchen“ hieß also ich als neue Chefin. Ich wusste, ich würde es schwer haben in diesem riesigen Laden, der ein etwas spezielles Rechtsgebiet bearbeitete. Ich musste also kompetent als Autorität auftreten, die nüchtern, pragmatisch und mitleidlos entschied und von Gefühlsduseleien generell nicht so viel hielt. In der ersten Zeit opferte ich alle Abende und Wochenenden meiner Einarbeitung, doch anders als manche junge Kollegen hat mich das nicht besonders belastet. Es gehörte einfach zum Anfang meines Berufslebens dazu. Meine Auffassungsgabe und mein Gedächtnis waren seit jeher brillant, und ich merkte, meine Schlagfertigkeit wurde schnell gefürchtet. Ich genoss es, den Smalltalk zwischendurch souverän zu absolvieren, war aber immun gegenüber Anbiederungen. Die brauchte ich auch nicht, denn ich würde hier sicher nicht alt werden. Zunächst wehte mit mir jedenfalls ein frischer Wind, und ich merkte schnell, wer ihn begrüßte und wen es im gewohnten Trott störte. So war ich nicht unbedingt Ziel und Inhalt männlicher Phantasien, mein Spitzname kein neckisches Attribut, sondern eher eine sachliche Bezeichnung meiner Funktion. Der eine oder andere Wagemutige nannte mich auch „Tinchen“, doch nur, wenn sichergestellt war, dass ich es definitiv nicht direkt zu hören bekam, denn eigentlich standen sie alle stramm vor mir.Ich verschaffte mir Respekt und Loyalität, indem ich meine hierarchische Stellung nicht dadurch demonstrierte, jemanden warten zu lassen, der mein Büro betrat. Ich nahm mir immer sofort Zeit, was nur klarstellte, dass ich bei meiner unterbrochenen Arbeit sowieso nicht den Faden verlieren würde. In formell freundlicher Höflichkeit beantwortete ich alle Fragen und erteilte eindeutige Anweisungen. Ich sah jedem und jeder stets direkt in die Augen, doch war dies weder eine irgendwie bedrohliche mentale Machtprobe noch eine erkennbar gefühlvolle Handlung. Ich signalisierte letztlich nur Interesse an der Person, ganz so, wie ich es in meinen Führungskräfteseminaren lernte, jedoch nichts, was über die Arbeit hinausging. Natürlich gab es da auch den einen oder anderen interessanten Mitarbeiter, mit dem unter anderen Umständen ein Flirt nahe gelegen hätte. Nun, vor allem den einen gab es, K., Mitte Dreißig, markantes Profil, schwarze, mittellange Locken, ein nachdenklicher Nonkonformist, der ausgleichend wirkte, gut gelitten war, aber nirgendwo richtig dazugehörte. Wenn er mich mit seinen großen blauen Augen anblickte, ging das tief.

Er war der Typ, der seine Arme unter deine Kniekehlen hakt und dich stehend an der Wand fickt.

*

Ich hatte spät noch eine Konferenz für den folgenden Tag vorzubereiten, es würde also noch viel später werden und meine Gier nach einem doppelten Espresso wurde in der Kaffeeküche nebenan enttäuscht. Es waren keine Bohnen mehr in der Maschine. Drum musste ich den Gang entlang und am Ende dann links hinüber in den wenig einladenden Altbau, wo sich in der hintersten Ecke eine weitere moderne Maschine befand. Die war, weil weniger frequentiert, meist noch nicht geplündert, wenn ich zu später Stunde Notstand litt. Auf dem Weg dorthin begegnete ich keiner Menschenseele, alles war bei diesem traumhaften Wetter schon ausgeflogen. Die Maschine hatte sich tatsächlich bereits ausgeschaltet und so musste ich warten, bis sie wieder hochgefahren und einsatzbereit war. Gerade wollte ich meine Bestellung eintippen und hielt die Karte an den Leser, da griff eine Hand unter meinem Arm hindurch an meine Brüste. Ich erschrak gar nicht so sehr, denn ich hatte meine fruchtbaren Tage und war dermaßen rollig, dass mir dieses endlose Arbeiten ohne Aussicht auf zufriedenstellenden nächtlichen Ausgleich ohnehin nicht leicht fiel.

Na, Kostümchen, so spät noch allein unterwegs in diesem Gemäuer? knurrte K. in mein Ohr. Keine Angst, dass dir hier in der Einsamkeit einer an die Wäsche will? Er zog meinen Rock so weit hoch, dass er meinen Slip nach unten ziehen konnte, drückte mir seinen steifen Schwanz zwischen die Schenkel und drang sofort in mich ein. Mit der zweiten Hand packte er mich nun unter der Achsel hindurch fest am Hals und stieß hart zu. Sein Gesicht wühlte in meinem Haar und er stöhnte, fragte, ob ich das mag und ich keuchte nur: Ja, verdammt, das weißt du doch! Er zog ihn raus, drehte mich um, zerriss meinen Slip, hakte mich auf seine kräftigen Arme und fickte mich stehend an der Wand. Weit spreizte ich meine Schenkel, dass er nur ja ungebremst in mich stoßen konnte und die Muskeln meines Beckenbodens versuchten, ihn fest zu umfassen, gerade so, als könnte ich ihn in mir halten für immer. Ich bemühte mich, leise zu sein, aber mein Orgasmus war so heftig, dass ich wirklich langgezogen aus tiefster Kehle stöhnte.

Es hallte in meiner Duschkabine und mir war klar, dass die Nachbarn das mitbekommen mussten, das ging gar nicht anders. Ja, ich hatte morgens in meiner Dusche heftig masturbiert und mein schweigsamer, undurchschaubarer Mitarbeiter war tagelang mein bevorzugtes Objekt der Begierde.

*

Wie gesagt, eigentlich war er der Typ, der seine Arme unter deine Kniekehlen hakt und dich stehend an der Wand fickt – nur fehlten ihm dazu die Muckis, das Sixpack und das unerschütterliche Selbstbewusstsein. Gut, für meine Phantasien hatte ich ihn mir eben ein wenig aufgehübscht! Im Moment war war er von den Männern, die mir leibhaftig begegnen, eben der sympathischste. Der forscheste war er nicht, und das war wohl auch gut so, beruflich meine ich. So als Frau, wie gesagt, sah ich das ein wenig anders. Ich dachte an ihn beim Masturbieren und in meiner Phantasie war er schon selbstbewusster. In der Realität fixierte er mich nicht, wie es eine erotische Anziehung unweigerlich mit sich bringt. Er war einfach nur ein aufmerksamer, aufrichtig interessierter Gesprächspartner. Und ich brauchte in diesem frühen Stadium meiner Chefrolle auch wahrlich keine Büroaffäre mit einem Untergebenen. Ich ließ ihn also nüchtern im Ungewissen, ob je etwas geschehen könnte. Ihm sah ich an, dass er nicht wusste, was er von mir halten sollte. Er war in gewisser Weise irritiert, weder angenehm noch unangenehm berührt, nicht aufgewühlt und nicht erotisiert, lediglich im Unklaren, wo doch eigentlich alles klar war.

Vorerst, muss ich sagen. Meine geheimen Phantasien sollten noch Gelegenheit bekommen.

*

Von dem, was meine Mitarbeiter über mich dachten, bekam ich weit mehr mit, als sie ahnten. Manches wurde mir zugetragen, manches hörte ich einfach, wenn ich im Kopierraum stand und sie in der Kaffeeküche nebenan. Vor allem aber bedachten sie nicht, dass sich hinter der verschlossenen Tür in der Kaffeeküche die verstaubte Bibliothek der Abteilung befand, die ich in meiner Einarbeitung sehr häufig nutzen musste und nur von meinem Büro aus zu begehen war. Digital war da noch nicht viel. Dort bekam ich zwangsläufig viel mit, obwohl mir nie nach Lauschen war. Die Maulhelden und Besserwisser wussten natürlich alle, was ich mal brauche oder nicht hätte, sicher sei ich ein Eisberg, kenne nur meine Gesetzbücher usw. Ich musste immer schmunzeln, wenn ich dieses hämisch-vernichtende Urteil vernahm. Denn das vorhandene Angebot dieser selbstgefälligen Herrenrunde war eben nicht so verlockend, dass ich deswegen in mein Kissen weinte! Und die paar Zicken, die da mit einstimmten, betrachtete ich nicht als Goldstandard für ein niveauvolles Liebesleben.

Mein nachdenklicher Beobachter hielt sich da raus, diese Art Gespräche hatten ihm wohl zu wenig Esprit. Aber sein interessierter, im Ertappen stets ausweichender Blick schien zu verraten, dass auch ihn die Frage beschäftigte, wie meine erotische Seite aussehen mochte. Ich gestand mir noch nicht ein, dass mir das auch über meine erotischen Tagträume hinaus durchaus nicht gleichgültig war.
*

Das Sommerfest der Abteilung wurde in einem Ausflugslokal außerhalb der Stadt ausgerichtet, und ich hatte hierzu den Erwartungen entsprechend großzügig spendiert. Die Wahl war gut getroffen: ein großer, ansprechend gestalteter Garten mit Pflanzen, bunter Beleuchtung, dazu der vielfältige Duft von gutem Essen, eine Musikkapelle und eine gut besuchte Tanzfläche verhießen an diesem herrlich lauen Sommerabend vielfältige Genüsse. Zwar gab es aus den Reihen der Biertrinkerfraktion schnell wieder diese Lästerungen, „Ball der einsamen Herzen“ usw., doch ich war voller Bewunderung für diese überwiegend älteren Damen und Herren, die ihr Leben offenkundig genießen konnten und nicht gewillt waren, die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen. Ich war aktuell ja auch allein, was mir nicht wirklich etwas ausmachte, mal abgesehen von den heftigen Halluzinationen während meiner Rolligkeit. Aber schön war das Alleinsein nicht so ohne Weiteres. Die meisten, denen ich zusah, waren routinierte Tänzer und Tänzerinnen.

Mein stellvertretender Abteilungsleiter, ein alter Haudegen, der schon vielen jungen Damen und Herren der akademischen Zunft als rechte Hand gedient hatte, fühlte sich gehalten, mich zum Tanz zu führen. Das war mehr als alle anderen gewagt oder für nötig befunden hätten, und ich folgte ihm ohne Zögern, Kneifen galt hier nicht. Er hielt sich, obwohl schon etwas zu beschwingt, ganz gut. Die meisten beobachteten uns, lästerten sicherlich über uns, über mich. Nur war es eindeutig, wer die Angelegenheit souverän beherrschte. Tanzen war seit jeher meine Leidenschaft. Nach einer wilden Runde mit ihm jedenfalls, war ich, anders als er, nicht ansatzweise außer Atem gelangt. Ein paar anerkennende Kommentare nickte ich gelassen ab und widmete mich wieder meinen Tischnachbarn.

Als die Kapelle auf besonderen Wunsch Tango anspielte, stach meinen heimlichen Fan der Hafer. Er forderte mich auf und schmunzelnd willigte ich ein. Ich stellte mich korrekt auf, mein rechtes Bein fest in seinem Schritt und wartete auf seinen Start. Leicht wie eine Feder lag ich in seinem Arm, reagierte auf jede Nuance, ohne dass er mich schieben oder ziehen musste. Ich atmete tief, doch ohne Anstrengung und mein genussvolles Lächeln ließ ihn nicht im Unklaren über meine Gefühle. Ich merkte ihm seine Anspannung an, sein Herz schlug bis zum Hals, denn unsere Hüften waren eng aneinander geschmiegt, so wie mein Tanzlehrer mir damals zu bedenken gegeben hatte, dass der Tango aus den Bordellen Argentiniens seinen Siegeszug angetreten hatte und man zumindest ansatzweise erkennen sollte, dass es sich bei diesem Tanz um eine sinnliche, leidenschaftliche Begegnung zwischen Mann und Frau handelt. Eine solche war unser Tanz auch, denn K. hatte eine respektable Erektion, die er mit rotem Kopf zu verbergen suchte, indem er sein Becken immer ein wenig von meinem zurückziehen wollte. Aber ich war gnadenlos, schmiegte mich in seinen Schritt und tat, als merkte ich nicht, wie geil er war. Zum Schluss schenkte ich ihm diesen tiefen Blick in seine Augen, der keinen Mann unberührt lässt, beherrscht bis in die letzte Faser meines Körpers, doch alles andere als unverfänglich. Er wusste nicht, wie ihm war, unklar, wie er sich verhalten sollte. Die Entscheidung nahm uns die Kapelle ab, die unverzüglich wieder die üblichen beliebten Foxtrott-Schieber nachsetzte. Wir schüttelten beide grinsend den Kopf und waren uns einig, dass wir das lassen.

Als er mich zum Tisch zurückgeleitete, bemerkte ich schon, dass es auffällig ruhig war und einige uns mit großen Augen anstarrten. Ich genoss es im Stillen, setzte mich ohne sie zu beachten, und beantwortete die Frage der Damen am Tisch nach meiner für sie überraschenden Begabung nur beiläufig, so dass das Thema nicht vertieft wurde. Mein Tanzpartner setzte sich, ignorierte ein paar blöde Kommentare und versuchte zu verbergen, was ihm durch Kopf und wohl auch Lenden ging, indem er sich an banalen Alltagsthemen versuchte, die ihm sonst eigentlich immer auf den Nerv gingen. Mir war das durchaus zum Gefallen, dass er angesprungen war auf meine körperliche Nähe und unser unbeschwertes Zusammenwirken. Der Tanz ist eben wahrlich ein sinnliches Erleben zwischen Mann und Frau.

Es kam, wie es meistens kommt bei solchen Veranstaltungen. Die Nüchternen mussten Verantwortung übernehmen für die, die zwar mit dem Auto gefahren waren und eigentlich auch andere nach Hause bringen sollten, jedoch das eigene Fassungsvermögen überschätzten. Es wurden Schlüssel abgenommen und die Leute auf die noch Fahrtüchtigen verteilt. Ich hatte K. frühzeitig gebeten, mir mit seinem Auto zu folgen, da ich meinen Stellvertreter, der eigentlich angeboten hatte, mich an diesem Abend zu chauffieren, in seinem Wagen nach Hause bringen musste.

Wir fuhren also ans andere Ende der Stadt, um unseren Schützling bei seiner amüsierten Gattin abzuliefern. Ich stieg bei K. ein und wir fuhren in die von mir vorgegebene Richtung. Es war eine eigenartige Situation, wir plauderten erstmals vollkommen ungezwungen, waren uns in vielem einig, lachten, spotteten. Doch ich merkte, wie er fahrig wurde, überdreht. Ach, Männer sind doch so durchschaubar! In ihm lief gewiss parallel dazu ein wilder Film, mein Bein in seinem Schritt beim Tanz, meine Nähe, mein Duft, meine grazilen, souveränen Bewegungen. Das alles hatte erkennbar gewirkt auf ihn. Ich fühlte mich ausgezeichnet! Er hatte den intensiven Hauch meiner Leidenschaft verspürt, und der hatte ihn in meinen Bann geschlagen. Und nun? Ich war heiter, aufgekratzt, unbekümmert. Und er? Er wurde nervöser, fühlte sich in der Gefahr, sich daneben zu benehmen. Seine Anspannung wuchs und die wollte er sich keinesfalls anmerken lassen.

Ich hatte wirklich leichtes Spiel.

*

Vor meinem Appartmenthaus am Rande des Parks deutete ich in die Seitenstraße und sagte, dort könne er parken. Das ist der entscheidende Moment, wenn ein neu bekanntes Paar so vor einer Wohnung steht. Sein Blut geriet sichtlich in Wallung und er war hochrot. Er sagte nichts, vermied es, mich anzusehen. Als er den Motor abstellte, blickte er mich an, brachte aber nichts heraus. Alles Mögliche schoss ihm wohl durch den Kopf, was bedeutet das, geht das, geht das gut. Ich beugte mich vor sein Gesicht und sagte lachend: Jetzt fang bloß nicht an zu denken! Ich hatte das Siezen aufgegeben, damit war die Situation eindeutig privat. Obwohl er doch älter war als ich, hatte ich das Zepter in der Hand. Klar, ich war auch seine Chefin. Und ich schenkte ihm Eindeutigkeit. Ich hatte nicht eine unverfängliche Einladung ausgesprochen zu einem Getränk, die man annehmen oder höflich ablehnen konnte. Ich hatte aber auch nicht lasziv geworben um sein Interesse oder seine Zustimmung. Ich setzte voraus, dass er mitkommen wollte, ohne dass ich als bestimmend oder gar herrisch aufgetreten wäre. Ich durchschaute ihn, aber ich spielte nicht damit und ich legte es nicht offen. Ich bahnte einfach den Weg.

Wir stiegen aus, und gingen schweigend und ohne Hast zum Haus. Wir hatten uns noch nicht berührt, ich lockte nicht und er war tunlichst darauf bedacht, keinen fauxpas zu begehen. Im Aufzug lehnte ich mich an die Wand und sah ihm direkt in die Augen, ohne Anspannung oder Verlegenheit, so ganz anders, als es ihm ging. Unser Schweigen hatte jedoch nichts Beklemmendes und meine Gelassenheit ging auf ihn über. Im vierten Stock verließen wir den Aufzug und betraten meine Wohnung. Mit meiner Aufforderung hatte ich ihm alle zwiespältigen Gedanken und Gefühle abgenommen, die von meinem bisherigen Auftreten her wohl auch nicht besonders angebracht gewesen waren. Sein Blut war schon in Wallung, er war erkennbar erregt, aber noch auf Zurückhaltung bedacht, kein übereinander Herfallen im Flur, auch kein verlegener Smalltalk, der Unsicherheit vertreiben soll, aber meist nicht kann.

*

Oh Gott, war ich feucht, als er endlich meine Brüste umfing. Es hatte wirklich eine Ewigkeit gedauert, bis er den Mut fand, von den guten Sitten zu lassen. Zart waren seine Hände und doch voller Kraft. Seine fordernden Lippen fanden meinen Nacken und sein Unterleib mit einer sehr harten Wölbung drängte sich an meinen sehr empfänglichen Po.

Hatte ich es doch gewusst! Hinter der schüchternen Fassade eines still zurückhaltenden Mitarbeiters brodelte eine sehr lebendige Leidenschaft! Und die gedachte ich heute Nacht in allen Facetten zu ergründen!

Never fuck the company?

Das war mir an diesem Abend nun wirklich herzlich egal!

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