Im Grunde war er ein guter Kerl, ein wenig verwildert halt, und mit seinen 47 Jahren enttäuscht von dem, was das Leben ihm bisher geboten hatte. Mit der soeben verstorbenen Mutter Hermine hatte er ein gutes Verhältnis gehabt, mit ihr hatte er fast über alles reden können. Mit einem leisen Glücksgefühl in der Brust hatte er sich einmal pro Woche mit Pfannkuchen eingedeckt bei ihr und sie dann zu einer Kachel mit warmer Milch am rot-weiss karierten Tischtuch verzehrt. Aber jetzt war er auf dem Weg zu Elianes Kabäuschen. Heirassa!
Krampusse in einem Dorf ohne Pfarrer sind wie ein Orkan in einem verschlafenen Touristenkaff wie dem schweizerischen St. Moritz. Niemand rechnet mit etwas wirklich Bösem, die Zuchthunde scheissen mit stumpfem Blick auf den Gehsteig, pelzbewehrte Damen mit arthrotischen Hüften nippen irgendwo an einem Prosecco, und dann… zack! reisst ihnen ein Windstoss das Champagnerglas aus den Fingern und fetzt ihnen den Hermelin vom dürren, wertlosen Leib. Der Orkan wütet in St. Moritz. Die Krampusse wüten in der kleinen Enklave im Lande Salzburg. Hemmungslos dreschen sie mit ihren Ketten auf den Schnee ein, der sich vor ihren Füssen türmt, saufen fast ununterbrochen und jagen die Kinder zum Teufel, ohne zu differenzieren, ob die jetzt wirklich böse waren oder nicht. Der Nikolaus, ja, der Nikolaus hat die Kontrolle über seine Schergen verloren. Der Alte Hans, der so alt auch wieder nicht ist, schwingt die Birkenrute und lässt die Rolle (hohle Kupferkugel mit mehreren massiven Stahlkugeln) klingen. Der 6. Dezember ist Rauhnacht. Der Winter soll vertrieben werden. Der Alte Hans kann tun und lassen, was er will. Der Pfaff ist ja tot. Der Lange Bertl trägt eine Holzmaske mit Widderhörnern. Trotzdem kennt ihn jeder, seiner Länge wegen. Egal, er hat es auf Brüste abgesehen. Jeder Frau, die in seine Nähe kommt, greift er an die geilen, prallen Bäuerinnentitten und führt sich auf, als hätte er eine Psilocybinvergiftung.
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