Das Atavistische, Urwüchsige am Mann, der da vor ihr steht, lässt sie erschaudern, erheitert sie aber gleichsam. Denn Eliane hat heimlich Gefallen gefunden an Hans-Erwin, dies sich selbst aber nie eingestanden. „So komm doch auf einen Punsch rein“, lädt sie ihn ein und stellt rasch fest, dass der Mann vor ihrer Tür kläglich fiert. Woher sie diesen Mut hat? Hans-Erwin lässt sich nicht zweimal bitten, besinnt sich aber auf der Türschwelle auf seine Rolle als Krampus und stampft sich mit schweren tollpatschigen Bewegungen den Schnee von den Schuhen. Dabei lässt er Eliane kein einziges Mal aus den Augen, so, als könnte sie sich als Fata Morgana erweisen und mit einem Mal entschwinden.
Sie ist aber sehr real, eine feste Frau mit klarem, schönem Blick, anmutigen Bewegungen und einer blendenden Ausstrahlung. Wortlos trottet Hans-Erwin, der gefürchtete Krampus, hinter ihr her in die kleine Küche mit dem karmesinroten Fliesenboden. Kurz darauf summt der Teekrug, und in der behaglichen Wärme entledigt Hans-Erwin sich seiner Krampusklamotten. Nur mit einem dünnen Unterhemd bekleidet, wirkt er beinahe rührend. Lächelnd stellt Eliane ein grosses Punschglas vor ihn hin und setzt sich ihm gegenüber an den Küchentisch. “Trink!” fordert sie ihn auf. Wortlos genehmigt Hans-Erwin sich drei Schlucke und erinnert sich an seine wilden Pläne. Er wollte Eliane doch übers Knie nehmen? Die “böse Frisöse” nach Strich und Faden versohlen? Seinen Kollegen ihren fetten Arsch präsentieren? Als Eliane aufsteht um im Küchenschrank nach ein paar Keksen zu suchen, ruht sein Blick auf ihrem Hintern. Ob es in dieser Nacht “so weit kommen“ würde? “Komm ans Kaminfeuer, da ists gemütlicher”, lässt Eliane sich vernehmen. Wie in Trance geht Hans-Erwin hinter ihr her. Seine Begierde ist gut zu spüren; Eliane aber ist fest entschlossen, sich der Herausforderung zu stellen.
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