Die Kratzbürste

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Die Kratzbürste

Die Kratzbürste

Sven Solge

Die Eigentümer des Grundstücks sind ganz heiß darauf mal jemanden zu erwischen, der die Auffahrt widerrechtlich benutzt!“, sagte ich mit versöhnlichem Ton. „Und wie ich meine Nachbarn kenne, hängt da bestimmt schon einer am Telefon, oder hat sich das Kennzeichen Notiert.“

„Aber wir können doch nicht die schweren Möbel von der Straße hier rauf schleppen?“, versuchte sie einzuwenden.

Ich zuckte mit den Schultern und sagte noch, bevor ich mein Rad in den Keller trug: „Ihre Entscheidung. Aber ich an ihrer Stelle, würde die schweren Möbel erst mal auf dem Weg oder dem Rasen abstellen und den LKW so schnell wie möglich wieder raus fahren.“

Ich drehte mich um und wollte mein Rad erneut schultern, als mir etwas einfiel: „Ziehen sie hier ein, oder ihr Vater?“, fragte ich sie direkt.

„Ich ziehe in die Wohnung im dritten Stock, wo Menzel gewohnt hat. Der alte Herr ist ins Heim gekommen, er schaffte die drei Etagen nicht mehr.“ Sie schien etwas Mitleid mit dem alten Mann zu haben, was bei mir wieder ein paar Punkte Sympathie, auf ihrem Konto hinterließ.

Ich reichte ihr spontan die Hand und stellte mich vor: „Ich bin Frido Traber und wohne im ersten Stock. Auf gute Nachbarschaft, nach unserem etwas holprigen Start!“ Grinste ich sie an. Ihre Hand fühlte sich gut an, warm, aber auch kräftig.

„Ich heiße Mona Weipert!“

Ein Blick in ihre rehbraunen Augen ließen mich zu einem weiteren Zugeständnis auf gute Nachbarschaft kommen: „Wenn du mal handwerkliche Hilfe brauchst, oder Werkzeug benötigst, ich habe einiges im Keller!“ Dann drehte ich mich aber endlich um und verschwand mit meinem Fahrrad im Keller.

Ein Blick aus meinem Küchenfenster zeigte mir, dass sie meinem Rat gefolgt waren. Denn der ganze Rasen stand mit Möbeln voll. Ob der LKW raus war konnte ich nicht sehen, weil der an der Giebelseite gestanden hatte. Das Getrappel im Treppenhaus und die energischen Zurufe der Möbelpacker dröhnte durchs ganze Haus und ließ einen Mittagsschlaf nicht zu.

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