Das. War. Kein. Fake.
„Meine Damen und Herren, Applaus für unsere Darsteller Maria und Arturo von der Truppe Sinnsation“, kommt es eine Sekunde später aus dem Lautsprecher. Die beiden Schauspieler drehen sich dem Publikum zu, verbeugen sich kurz, und verlassen die Bühne mit diesem hopsenden Laufschritt, den man von Akrobaten in der Manege kennt.
Während die Gäste um mich herum die Szene mit lautem Beifall quittieren, sitze ich da wie ein Teenie, der zum ersten Mal einen echten Pornoclip gesehen hat. Ziemlich konsterniert, mit pochendem Herzen, rotem Kopf und sehr feuchtem Schritt.
„Hast du das eben … gesehen?“, will ich Hanna fragen, aber als ich mich zu ihr umdrehe, ist ihr Stuhl leer. Sie muss wohl kurz auf der Toilette sein. Hendrik dagegen klatscht immer noch Beifall und feixt mir begeistert zu.
„Meine Damen und Herren, lassen Sie uns mit der Geschichte fortfahren, während unsere bezaubernden Bediensteten Ihnen den nächsten Gang servieren“, tönt die sonore Stimme durch den Saal und sofort erscheinen wie aus dem Nichts die Dienstmädchen und Chippendales und balancieren jeweils mehrere Teller auf ihren Armen zügigen Schrittes zu den wartenden Gästen.
Auch die Schauspieler haben wieder an ihrem Tisch auf der Bühne Platz genommen und parodieren erneut gekonnt die Gäste an der großen Tafel – also auch mich, wie ich in dem Moment realisiere, als ich eine Frau sehe, die exakt das gleiche Kleid trägt wie ich.
Mein Verstand sagt: Wir sollten jetzt besser gehen.
Meine Lust sagt: Nur über meine Leiche.
Meine Moral sagt: Das darf man aber nicht!
Mein Sarkasmus mischt sich ein, und wirft Moral ein gelangweiltes du wiederholst dich zu.
Meine Angst hat Angst, etwas zu sagen, und meine Neugierde befiehlt den Füßen, stillzuhalten.
Krimidinner
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Krimidinner
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