Und so werde ich Zeugin der nächsten Darbietung körperlicher Kunst (auf diesen Begriff haben wir uns inzwischen intern geeinigt), die vor allem meine basalen Bedürfnisse bedient und meine Libido einige Gänge höher schaltet.
Das Schauspiel auf der Bühne entwickelt sich zu einer veritablen Gruppensex-Szene, in deren Zentrum ein Dreier aus zwei Männern und einer Frau steht. Die anderen Darstellerinnen und Darsteller beobachten das Geschehen interessiert oder beteiligen sich auf ihre Art. Ein paar der Frauen haben ihre Röcke gelüpft und masturbieren, einige der Männer massieren ihre erigierten Penisse. Alle Akteure verstehen es gekonnt, die erotische Wirkung ihrer Kostüme mit in die Show einzubeziehen. Niemand ist komplett nackt, immer wird nur so viel Haut gezeigt, wie es für die Szene gerade nötig ist.
Dem Moderator kann ich überhaupt nicht mehr folgen, ich kann auch kaum etwas essen, zu sehr schlägt mich das in den Bann, was vor mir abgeht. Nervös schaue ich wieder zu Hanna, aber sie ist immer noch nicht zurück. Dafür ist jetzt auch Hendrik verschwunden. Was machen die beiden bloß?
Auf der Bühne kommt es nach und nach zu diversen gespielten oder echten Orgasmen (zumindest die der Männer waren nicht vorgetäuscht), und nach reichlich Applaus verschwinden die Darsteller erneut hinter den aufklappbaren Spiegeln. Ich bin inzwischen durch den Wind. Einerseits macht mich die Live-Porno-Show extrem an, meine Muschi sabbert wie eine hungrige Dogge, ich fürchte, das edle Kleid wird am Ende des Abends hinüber sein. Andererseits haben Verstand, Moral und Angst noch immer nicht aufgehört, dazwischenzufunken. Sie sind die Repräsentanten all dieser gesellschaftlichen Normen, die über Generationen in unsere Gene eingebrannt wurden und die sich immer dann melden, wenn hedonistische Gedanken unser Leben leichter machen wollen.
Krimidinner
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Krimidinner
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