Krimidinner

48 25-38 Minuten 3 Kommentare
Krimidinner

Krimidinner

Alina Soleil


Schnell schiebe ich mir noch eine der köstlichen Tortellini des Zwischengangs in den Mund, bevor die Teller wieder abgeräumt werden. Leider habe ich vor lauter Aufregung zu wenig gegessen und schon etwas zu viel von dem Wein getrunken, den aufmerksame Geister regelmäßig nachfüllen. Ich werde später wohl ein Taxi benötigen, selbst fahren sollte ich heute Abend nicht mehr.

Während des Hauptgangs – für Nichtvegetarier wie mich gibt es Schwertfisch mit gegrilltem mediterranem Gemüse an Pastinakenpüree – erzählt uns der Moderator eine Anekdote aus Isabels Hochzeitsnacht. Sie wurde früh mit Franz von Assisi, ihrem Cousin, verheiratet, eine politisch arrangierte Ehe. Aber Franz war mit ziemlicher Sicherheit stockschwul. Und so tauchte er in der Hochzeitsnacht mit mehr Spitzen und Rüschen im Schlafgemach auf als Braut und Bettwäsche zusammen aufzubieten hatten. Er war so stark parfümiert und trug so viele feminine Accessoires, dass Isabel die Lust verging und sie Franz frustriert aus dem ehelichen Bett geworfen haben soll. Auch das wird sehr gekonnt von zwei Schauspielern unter viel Lachen und Applaus der Gäste pantomimisch visualisiert.

„Nun, damals waren die Zeiten doch sehr heteronormativ“, schließt der Moderator mit seiner supererotischen Stimme die Story ab.
„Wäre Isabell nur ein wenig mehr El Tschi Bi Ti Kiu und was weiß ich noch alles gewesen, oder offen für eine polyamoröse Beziehung, wer weiß, vielleicht hätte es mit den beiden ein besseres Ende genommen.“
Gelächter und Applaus.

„Und nun, meine Damen und Herren, ist es Zeit, für den Höhepunkt des Abends: das Dessert, eine wahre Orgie für alle Sinne! Außerdem kommen wir, was das Rätsel dieses Krimidinners betrifft, zu dem entscheidenden Hinweis.

Meine Damen und Herren, unter Ihren Platztellern befinden sich Spielkarten, auf deren Vorderseite verschiedene Symbole abgedruckt sind.

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Traumhaft

schreibt AnMa

Was für eine, in jeder Hinsicht, traumhafte Geschichte. Alleine schon die Beschreibung des Outfits, lässt vermuten, dass gleich etwas Besonderes geschehen wird. Dann die Stimmung im Saal, ihr Empfinden das mit diesen Absätzen ‘mein Verstand sagt …, meine Lust sagt …, meine Moral sagt …, meine Angst …’ perfekt geschildert wird. Was habe ich mich darüber amüsiert! Und dann wird die Geschichte eigentlich wie zu einem Drehbuch für einen Porno, kommt aber doch nicht so daher. Ich würde es explizit erotisch nennen.Das Ende führt einen wieder zurück in die Realität … oder doch nicht? Egal, man kann nur eines sagen: wunderbar geschrieben und erzählt!

Co-Autor?

schreibt alinasoleil

Liebe Lenni,

vielen Dank für das tolle Feedback, hat mich sehr gefreut :-)
Tatsächlich schreibe ich meine Texte immer allein.
Aber ich nehm die Idee gerne auf und denke mal über Co-Produktionen nach...


Beste Grüße
Alina

Der Vorkoster

schreibt Lenni_D._Blixen

Hallo Alina, sehr schöner Erzählstil. Eine Geschichte, die sich entwickelt wie ein Pfau, der sein Rad langsam entfaltet. Deine Detailverliebtheit gefällt. Hast Du Co-Autoren gehabt? Zumindest, was die Menü-Beschreibung angeht? Da sind doch bestimmt Ali G. oder Björn F. beteiligt gewesen!? Allein die bildhafte Schilderung der Speisenfolge lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Eine Story für Genießer! Kommt in die Favoritenliste! Herzliche Grüße, Lenni

Gedichte auf den Leib geschrieben