Krimidinner

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Alina Soleil


„Erheben Sie sich bitte, werte Dame! Darf ich fragen, wie Sie heißen?“
Ich will gerade antworten, da fällt mir der Moderator ins Wort.
„Nun, wer auch immer Sie gewesen sein mögen, ab jetzt sind Sie Isabel. Isabell die Zweite.
Einen herzlichen Applaus für unsere neue Königin von Spanien!“

Die Leute um mich herum klatschen laut Beifall, und mir schießt die Röte ins Gesicht. Meine Knie werden weich.

„Wenn ich Königin Isabell jetzt bitten dürfte, ihren Platz mit dem freien Stuhl am Tisch bei den Schauspielern zu tauschen? Ihnen, liebe Isabell, gebührt die Aufmerksamkeit für den Rest des Abends. Für einen hoffentlich wundervollen Höhepunkt einer gelungenen Veranstaltung, der uns nun unmittelbar bevorsteht.“

Ich fühle mich schlagartig unwohl. Mein Gott, was ist das hier bloß für eine irre Nummer? Fast möchte ich flüchten, aber jetzt übernimmt Neugierde das Kommando, unterstützt von Alkohol. Und interessanterweise auch von Scham. Denn es ist ausgerechnet die Scham, die sich fürchtet, dass ich mich vor den vielen Gästen blamiere, wenn ich nicht mitspiele und nicht zumindest den Tischplatz tausche. Und Neugierde will unbedingt wissen, was da drüben auf der Bühne wohl als Nächstes passieren mag.

Und dann meldet sich überraschend auch noch Lust und flüstert leise: Ach übrigens, ich bin auch noch da...

Die Leute applaudieren, als ich mit zitternden Beinen und flauem Gefühl im Bauch die lange Tafel umrunde. Alle Augen ruhen auf mir. Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis ich bei der Bühne ankomme und schließlich den freien Stuhl ansteuere, den die Schauspieler mir mit großen Gesten und vielen Verbeugungen bereitstellen.

„Und nun bitte: das Dessert!“

Es ertönt Händels Feuerwerksmusik, als der Nachtisch aufgefahren wird.

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