Krimidinner

48 25-38 Minuten 3 Kommentare
Krimidinner

Krimidinner

Alina Soleil

Ich ahne, dass diese bizarre Veranstaltung eine für mich unangenehme Wendung nehmen könnte. Ich sitze hier mitten auf einer Bühne, umgeben von Schauspielern, werde beobachtet von mir völlig unbekannten Leuten, versteckt hinter Masken und Kostümen, und die einzigen zwei Menschen, die ich kenne, sind seit gefühlt einer Stunde nicht mehr da. Die Atmosphäre an meinem Tisch, auf der Bühne, ist im höchsten Grad surreal. Die Schauspieler in ihren prächtigen Kostümen sind nichts weiter als Spiegelbilder der anderen Gäste, deren Bewegungen sie gekonnt imitieren. Ich fühle mich wie in einem seltsamen Traum. Alles wirkt künstlich, gespielt, nicht echt. Vielleicht erklärt dieses seltsame Gefühl der Surrealität aber auch, warum ich so tiefenentspannt bleibe, als plötzlich Damien vor mir steht und mich mit seinen stahlblauen Augen unter seiner Maske fixiert. Das ist alles nicht real.

Während der Moderator den Gästen die Regeln erläutert, nach denen sie ihre Partnerkärtchen auffinden können, räumen die Dienstmädchen am Tisch hinter mir das benutzte Geschirr und die Kerzenständer weg, fegen Krümel beiseite und wischen die Tischplatte feucht ab. Aber von all dem bekomme ich nur am Rande mit, zu sehr fesselt mich Damiens durchdringender Blick.
„Königin Isabell also, wer hätte das gedacht.“ Er lächelt mich hintergründig an.

„Wenn du die Güte hättest, dich kurz zu erheben … Ich fürchte, das Personal möchte für unsere nächste Nummer etwas mehr … Platz schaffen.“

Ich kann nicht anders, als seinen Worten zu gehorchen. Kaum stehe ich, wird mein Stuhl auch schon schwungvoll einem der Chippendales zugeworfen, der ihn mühelos mit seinen starken Armen auffängt. Zeitgleich breiten vier andere Dream Boys ein großes, schwarzes Tuch auf der dunklen Holzplatte aus. Es ist aus Samt und für eine Tischdecke ungewöhnlich dick.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 4347

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Traumhaft

schreibt AnMa

Was für eine, in jeder Hinsicht, traumhafte Geschichte. Alleine schon die Beschreibung des Outfits, lässt vermuten, dass gleich etwas Besonderes geschehen wird. Dann die Stimmung im Saal, ihr Empfinden das mit diesen Absätzen ‘mein Verstand sagt …, meine Lust sagt …, meine Moral sagt …, meine Angst …’ perfekt geschildert wird. Was habe ich mich darüber amüsiert! Und dann wird die Geschichte eigentlich wie zu einem Drehbuch für einen Porno, kommt aber doch nicht so daher. Ich würde es explizit erotisch nennen.Das Ende führt einen wieder zurück in die Realität … oder doch nicht? Egal, man kann nur eines sagen: wunderbar geschrieben und erzählt!

Co-Autor?

schreibt alinasoleil

Liebe Lenni,

vielen Dank für das tolle Feedback, hat mich sehr gefreut :-)
Tatsächlich schreibe ich meine Texte immer allein.
Aber ich nehm die Idee gerne auf und denke mal über Co-Produktionen nach...


Beste Grüße
Alina

Der Vorkoster

schreibt Lenni_D._Blixen

Hallo Alina, sehr schöner Erzählstil. Eine Geschichte, die sich entwickelt wie ein Pfau, der sein Rad langsam entfaltet. Deine Detailverliebtheit gefällt. Hast Du Co-Autoren gehabt? Zumindest, was die Menü-Beschreibung angeht? Da sind doch bestimmt Ali G. oder Björn F. beteiligt gewesen!? Allein die bildhafte Schilderung der Speisenfolge lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Eine Story für Genießer! Kommt in die Favoritenliste! Herzliche Grüße, Lenni

Gedichte auf den Leib geschrieben