Krimidinner

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Krimidinner

Krimidinner

Alina Soleil

Ich habe wirres Zeug geträumt, erinnere mich dunkel an eine Villa, an Leute in Kostümen, an Schauspieler ... und da war auch was mit Sex, aber sobald ich versuche, die Traumbilder wieder heraufzubeschwören, verdampfen sie aus meinem Gedächtnis, lösen sich auf wie Nebelfetzen in der warmen Morgensonne.

Mein Körper schmerzt, es fühlt sich an, als hätte ich überall Muskelkater. Was zur Hölle habe ich gestern bloß gemacht? Merkwürdig, ich kann mich an nichts erinnern … Ich hatte etwas vor, mit Hanna, und mit Hendrik, ihrem Freund. Wir wollten ausgehen, zu … einem Krimidinner … ja genau, das war es! Ein Krimidinner.

Ich versuche mich zu konzentrieren, aber irgendwie fällt mir nicht mehr dazu ein als nur dieses eine Wort. Weder kann ich sagen, ob wir wirklich zu so einer Veranstaltung gegangen sind, noch, was wir dort gemacht oder erlebt hätten. Aber irgendetwas lauert in meinem Unterbewusstsein, als wolle es raus ans Licht.

Ich drehe mich zur Seite und dabei fällt mein Blick auf das Buch, das ich im Moment lese. Ein kleiner Band mit erotischen Kurzgeschichten. Lustig: Die Story, die ich gerade begonnen habe, heißt zufälligerweise auch „Krimidinner.“ Es ist eine der längeren Geschichten in dem Buch, eine, die sich eher langsam aufbaut, aber vielleicht nach hinten raus noch richtig kommt. Nur, so weit bin ich noch nicht.

Einem Impuls folgend greife ich nach dem Buch und schlage es auf. Dabei fällt ein Lesezeichen heraus, was mich sofort irritiert. Ich bin mir hundert Pro sicher, dass ich keins drin hatte. Ich verwende nie Lesezeichen!

Vorsichtig hebe ich das Kärtchen auf. Es ist etwas kleiner als eine Poker-Spielkarte, auf seiner Rückseite ist ein verworrenes Ornament in Schwarz und Blau abgedruckt. Mein Herz schlägt mir auf einmal bis zum Hals. Mit zitternden Fingern drehe ich die Karte herum.

Es ist eine rote Lilie.

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