Darunter stellte ich mir bisher immer etwas vor, das in etwa so viel Spaß machen würde wie eine Runde Bridge mit älteren Damen.
„Los, lass uns reingehen, mir wird kalt“, drängelt Hanna, als eine plötzliche Böe trockenbraune Kastanienblätter über den Kies fegt. Die letzten Wochen war es noch recht mild für Ende Oktober, aber gestern hat der Herbst mit einem Temperatursturz Einzug gehalten. Vor ein paar Minuten ist die Sonne hinter den Häusern verschwunden, es kommt Wind auf und dunkle Wolken kündigen Regen an.
Die Treppe zur Villa ist auf beiden Seiten gesäumt von brennenden Fackeln, das Gebäude selbst wird von Bodenscheinwerfern angestrahlt, und aus den Fenstern dringt goldenes Licht nach draußen. Am Eingang werden wir von einem gutaussehenden Paar begrüßt, er im Smoking und sie im Ballkleid, das einen Tick dunkler ist als das von Hanna, und zudem deutlich aufwendiger und edler gearbeitet. Ich schätze die beiden auf Mitte fünfzig, kann mich natürlich auch irren, schließlich tragen sie ebenfalls Masken. Der hochgewachsene, schlanke Mann schüttelt zuerst mir die Hand, dann Hanna und danach Hendrik.
„Herzlich willkommen bei unserer kleinen Feier, treten Sie ein und fühlen Sie sich ganz wie zuhause!“
Fast hätte ich einen Knicks gemacht.
„Darf ich vorstellen: meine Frau Marion.“
Sie reicht jedem von uns die behandschuhte Hand und wir stellen uns kurz der Reihe nach vor.
„Ich heiße übrigens Ludger“, ergänzt der Hausherr und geleitet uns mit großer, einladender Geste in sein Reich.
Wir durchqueren die prächtig geschmückte Empfangshalle und betreten eine Art Aula, von der aus eine große Treppe ins Obergeschoss führt. Überall stehen Leute mit Champagner- oder Cocktailgläsern und unterhalten sich angeregt. An den Wänden hängen großformatige Bilder mit sinnlichen Motiven, Skulpturen aus Bronze und Marmor zeigen nackte Menschen in erotischen Posen.
Krimidinner
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Krimidinner
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