Krimidinner

48 25-38 Minuten 3 Kommentare
Krimidinner

Krimidinner

Alina Soleil

Die Wände des Saals sind fast vollständig verspiegelt, was zu einer Kaskade von Reflexionen führt, die den Raum schier endlos erweitert und unzählige Doppelgänger der anwesenden Gäste generiert. Ein irrer Effekt.

Gegenüber dem Tisch ist eine Bühne aufgebaut, auf der ein Ausschnitt unseres Banketts nachgebildet ist, eine perfekte Kopie mit demselben Porzellan, den gleichen Gläsern und Bestecken, denselben silbernen Kerzenständern, deren Kerzen sogar auf die gleiche Länge abgebrannt sind wie die an der großen Tafel. Ich komme mir vor wie in einem Zauberkabinett.

Nach und nach nehmen alle Gäste die für sie vorgesehenen Sitzplätze ein. Hendrik, Hanna und ich wurden ziemlich genau in der Mitte der großen Tafel platziert. Zu meiner Rechten sitzt ein mir unbekannter Mann mit schwarzem Vollbart. Von uns aus hat man einen fantastischen Blick auf die Bühne gegenüber. Als endlich alle Leute auf ihren Stühlen sitzen, ergreift Ludger das Wort.

„Sehr geehrte Gäste, liebe Freunde, es ist mir eine Ehre und ein großes Vergnügen, das zehnte Krimidinner in unserem Hause zu eröffnen!“
Spontaner Applaus.
„Ja, tatsächlich, es ist schon das zehnte Event dieser Art. Ich kann mich noch sehr gut an unsere ersten Versuche erinnern. Die waren, wie soll ich sagen, ein wenig … improvisiert, nicht so … perfekt, aber immer sehr lustig. Ihr erinnert euch sicher noch an die etwas peinliche Nummer mit dem Serienmörder …“
Gelächter und wieder Applaus.
„Später wurden wir dann wesentlich professioneller, das Erlebnis jedes Mal, wie soll ich es ausdrücken … intensiver.“
Zustimmendes Murmeln.
„Zum zehnten Jubiläum habe ich mir nun etwas ganz Besonderes ausgedacht. Es sind heute nur Gäste eingeladen, die auch an unserer parallelen Veranstaltungsreihe regelmäßig teilnehmen. Ihr wisst, welche ich meine.

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Traumhaft

schreibt AnMa

Was für eine, in jeder Hinsicht, traumhafte Geschichte. Alleine schon die Beschreibung des Outfits, lässt vermuten, dass gleich etwas Besonderes geschehen wird. Dann die Stimmung im Saal, ihr Empfinden das mit diesen Absätzen ‘mein Verstand sagt …, meine Lust sagt …, meine Moral sagt …, meine Angst …’ perfekt geschildert wird. Was habe ich mich darüber amüsiert! Und dann wird die Geschichte eigentlich wie zu einem Drehbuch für einen Porno, kommt aber doch nicht so daher. Ich würde es explizit erotisch nennen.Das Ende führt einen wieder zurück in die Realität … oder doch nicht? Egal, man kann nur eines sagen: wunderbar geschrieben und erzählt!

Co-Autor?

schreibt alinasoleil

Liebe Lenni,

vielen Dank für das tolle Feedback, hat mich sehr gefreut :-)
Tatsächlich schreibe ich meine Texte immer allein.
Aber ich nehm die Idee gerne auf und denke mal über Co-Produktionen nach...


Beste Grüße
Alina

Der Vorkoster

schreibt Lenni_D._Blixen

Hallo Alina, sehr schöner Erzählstil. Eine Geschichte, die sich entwickelt wie ein Pfau, der sein Rad langsam entfaltet. Deine Detailverliebtheit gefällt. Hast Du Co-Autoren gehabt? Zumindest, was die Menü-Beschreibung angeht? Da sind doch bestimmt Ali G. oder Björn F. beteiligt gewesen!? Allein die bildhafte Schilderung der Speisenfolge lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Eine Story für Genießer! Kommt in die Favoritenliste! Herzliche Grüße, Lenni

Gedichte auf den Leib geschrieben