Die dunkle Limousine vor uns fährt majestätisch die lange Auffahrt zu dem Anwesen hoch, weißer Kies knirscht unter ihren breiten Reifen. Mit etwas Abstand folgen Hanna und Hendrik im Porsche Cabrio, und danach komme ich mit meinem kleinen Fiat 500, mit dem ich mich hinter den beiden Luxuskarren ein wenig deplatziert fühle.
Als Hanna mich zu dieser Party einlud – ein Krimidinner in stilechtem Ambiente bei einem „netten, aber etwas exzentrischen Millionärsehepaar“ –, da versprach sie mir einen unvergesslichen Abend mit „total unkomplizierten Leuten. Glaub mir, das wird super!“
Aber als ich das vollautomatische und absolut geräuschlose schmiedeeiserne Tor zu dem parkähnlichen Gelände passierte, beäugt von Sicherheitskameras, da ahnte ich schon: Das hier ist nicht meine Kragenweite. Gewiss, ich verdiene als Juristin für Wirtschaftsrecht in der Kanzlei Schindler & Schmitt (mit doppel-T) nicht gerade schlecht, aber vom Millionärsleben bin ich weit entfernt. Sehr weit.
Und als ich dann hinter Hannas Porsche und dem schwarzen Maybach auf dem riesigen Wendeplatz vor der Villa ankomme, in dessen Mitte sich ein Springbrunnen mit antiken Figuren befindet, da komme ich mir wirklich klein und arm vor. Hier parken nur die edelsten und teuersten Autos: ein Bentley, ein alter Jaguar, ein Aston Martin, auch ein Rolls Royce steht da, ein paar dicke BMWs, irgendein ultraflacher Rennwagen, zwei Porsche und ein riesiger Mercedes-SUV, neben dem noch eine Lücke frei ist, in die meine Knutschkugel reinpassen müsste.
Während der Maybach direkt vor der Treppe zur Villa anhält, um die Gäste, die natürlich im Fond sitzen, dort aussteigen zu lassen, quetsche ich mich zwischen den SUV und einen überdimensionierten Pflanzkübel, in dem ein großer Buchsbaum wohnt, dem beharrliche Gärtner die Form eines springenden Hirsches aufgezwungen haben.
Krimidinner
8 25-38 Minuten 0 Kommentare
Krimidinner
Zugriffe gesamt: 627
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.