Kurzes Gelbes

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Kurzes Gelbes

Kurzes Gelbes

Anita Isiris

Keine noch so versteckte Hautfalte würde er auslassen, bis alles schön geschmeidig und klebrig war. Dann würde er sie ohne weitere Umschweife auf den Tisch befehlen, im Vierfüssler, versteht sich, so konnte sie am wenigsten von sich verbergen. Ob sie vielleicht ein Tattoo hatte auf der einen Arschbacke? Wenn nicht… er würde ihr schon eins beifügen, mit der brennenden Zigarette. Wie ein Schraubstock würde er sie festhalten und den Geruch nach verbranntem Fleisch gierig einziehen. Das gelbe Kleid würde irgendwo in der Ecke liegen. Aaah, ja, Christines Körperöffnungen. Jede einzelne würde er stopfen mit Gemüse nach seinem Gusto. Mit einer jungen, frischen Rübe würde er ihre Rosette bearbeiten, klar. Christines Liebesloch liess sich bestimmt gut dehnen – mit einer eingefetteten Möhre. Ihr Mund? An einer Banane würde er sie lecken lassen, nur lecken. Für jeden Biss würde er sie schlagen, und zwar kräftig, bis der Hintern feuerrot war. Dieses Luder auch!
Endlich kam Stefan Richter zum Zug im Zug. Christine öffnete die Beine und streckte sich nach dem Fach mit dem Reisegepäck. Sie hätte seine Enkelin sein können. Stefan besorgte es den Frauen gerne mit den Fingern. Er war Goldschmied und ausserordentlich geschickt. Sein kleiner Pimmel hatte ihm nicht viel Glück gebracht im Leben, und mit der Zunge kam er auch nicht mehr so gut klar, seit ihn das Karzinom plagte. Aber die Finger, ja, die hatte er noch. Die Finger und seine Fantasie. Geschickt, wie von einem Goldschmied nicht anders zu erwarten, würde er an Christines Slip herumspielen. Ihn reizte das Verborgene. Das Genital dieser jungen Frau ging ihn sowieso nichts an. Der Stoff hingegen, der es verhüllte, sehr wohl, war er der Meinung. Ob sie einen BH trug? Seine Frau trug nie einen, weil es keinen Sinn mehr machte. Die jungen Frauen heutzutage aber auch! Oh, wie gerne würde er sich vergnügen an Christines Döschen, ihren Slip streicheln, bis sie feucht war! In seiner grauen Flanellhose wurde der kleine Peter lebendig. Lebendig war er ja schon, aber einfach etwas klein geraten…
Ahnungslos setzte Christine sich mit den Zeitungsnachrichten auseinander: Waldbrände in Südfrankreich, ein grenzenlos dummer amerikanischer Präsident, menschenverachtende Israelis und ein Schweizer Bundesrat, der es auch bei explodierenden Ozonwerten nicht für nötig befand, Tempobegrenzungen auf den Autobahnen durchzusetzen in diesem unerträglich heissen Endlossommer 2003.

In Biel stand Christine auf, schulterte ihre Tasche und ging leichtfüssig durch den Bahnhof, dem neuen Arbeitsplatz entgegen.

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