Der Mund ist halb auf, schmachtend, die Zunge ist ein wenig herausgestreckt, sie wartet auf den nächsten Kuss, auf das nächste Spiel. In ihrem Gesicht immer noch dieses Lächeln, dieses verklärte, selige Lächeln, das Lächeln eines durch und durch glücklichen Menschen. Er legt ihre beiden Arme auf den Tresen und den Kopf auf ihre Arme. Sie lässt es widerstandslos geschehen. Dann sagt er noch einmal, dass er jetzt gehen müsse und ob er sie nicht doch noch irgendwo hinbringen solle. Sie sagt wieder nichts, schaut ihn auch nicht an, verabschieden sich auch nicht, nicht einmal Tschüss, Lebwohl, es war schön. Er erfährt nicht, wie sie heißt, weiß nicht, wer sie ist. Hat keine Ahnung, was sie noch macht und kann, außer küssen. Weis nicht, wo sie wohnt und an einen Austausch von Telefonnummern ist nicht zu denken. Er weiß nicht, was sie noch vorhat an diesem seltsamen Abend, weiß nicht, ob sie von ihm noch mehr gewollt hätte, als ihn nur endlos zu küssen. Er weiß nicht einmal, ob er noch mehr von ihr gewollt hätte, ob er mit ihr gegangen wäre, wenn sie den Wunsch geäußert hätte. Er weiß nur, dass alles so unwirklich, so überaus irreal war, wie im Traum, wie in einem Kitschfilm, wie in einer Schmierenkomödie oder einem billigen Liebesroman. Kein Mensch würde ihm die Geschichte glauben, sofern er sie überhaupt irgendjemandem erzählen würde. Aber es ist Realität. Es hat stattgefunden, dieses endlose Küssen, dieser Kussmarathon mit Guiness, dieser unerwartete Versuch für einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde. Als er auf die Straße tritt und kopfschüttelnd zu seinem Auto geht, riecht er noch immer ihre Haare, spürt er noch immer ihre Zunge, dieses ruhelose Reptil, das für einen kurzen Abend lang eine Heimstatt in der Höhle seines Mundes gefunden hatte und diese um keinen Preis mehr verlassen wollte.
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