Der Kuss

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Der Kuss

Der Kuss

Yupag Chinasky

Die Bedienung fragt, was los sei, ob sie ein Taxi rufen solle. Auch er fragt noch einmal, ob er etwas für sie machen könne, sie irgendwo hin bringen könne. Halb aus Führsorge, halb mit dem Hintergedanken, nach mehr, nach neuen Arealen, in denen dieser Kuss für die Ewigkeit noch tummeln könnte. Sie antwortet nicht, auch nicht auf die Frage, ob sie sich wehgetan habe. Auch nicht auf die Frage, ob sie noch etwas zu trinken wolle. Doch, sie reagiert, indem sie sofort wieder seinen Mund sucht, wieder weiter küsst, weiter saugt, weiter mit ihrer Zunge spielt, versucht, noch mehr einzusaugen, noch mehr von ihm in sich hinein zu ziehen. Er küsst auch wieder, wenn auch unkonzentrierter als am Anfang und beobachtet noch eine Weile, wie die jungen Leute hinter der Theke die Spülmaschine füllen und leeren und sich um die beiden Irren vor ihren Augen nicht weiter kümmern. Viel mehr kann er aus seiner Position nicht sehen, sie hält sich an ihm fest, hält ihn fest und auch er hält sie fest, damit sie nicht noch einmal wegrutscht, abrutscht, hinab fällt. Aber der Höhepunkt ist überschritten. Er ist ungeduldig, die Zeit drängt und er beschließt, nun doch zu gehen. Ruft nach der Rechnung, bezahlt und will auch ihre Wodka-Cola bezahlen, doch die sei, sagt die Bedienung, schon bezahlt. Er löst sich nun endgültig von der jungen Frau, sagt, er müsse nun gehen. Keine Reaktion, sie hängt schlaff in seinen Armen, die Augen sind immer noch zu. Da sie die Augen die meiste Zeit geschlossen hatte, weiß er nicht einmal, welche Farbe ihre Augen haben, er glaubt, grau oder hellblau.

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