Bier schmeckt auch dann, wenn man allein ist, vor allem Guiness. Er mochte Guiness, nicht immer, aber wenn man Durst hat und es frisch gezapft und kühl ist, gibt es kaum etwas Besseres, fand er und auf einmal hatte große Lust auf ein Guiness. Er kannte ein Irish Pub, eine der wenigen Kneipen, die es im Zentrum gibt und so machte er sich auf den kurzen Weg.
Das Pub ist knallvoll. Alle, die nicht auf der Straße sind, sind hier: Menschen, Leben, junge Menschen, pralles Leben. So wie er es von der Tür aus sieht, ist kein Tisch frei, an den er sich hätte verziehen können, nicht mal ein Stuhl an einem Tisch. Er steuert den Tresen an, geht dorthin, wo die Spüle ist, dort wo eigentlich keiner stehen bleibt, wo sich auch keiner hinsetzt. Aber hier ist noch ein freier Platz, zumindest ein Stehplatz. Für ein Bier wird es reichen. Er bestellt eine Pint Guiness und zieht die Jacke aus. Es ist warm, tropisch feuchtwarm und die Luft ist schlecht, obwohl die Raucher auf die Straße gehen müssen. Aber das Bier ist so gut, wie er es sich vorgestellt hatte. Ein tiefer Schluck, dann ist sein dringendstes Bedürfnis gestillt und er sieht sich in Ruhe um und erst jetzt beäugt er auch die junge Frau, die auf dem Hocker neben ihm sitzt, auch sie ist an dem wenig attraktiven Teil des Tresens gestrandet. Die Frau trägt ein rotes Kleid mit weißen Punkten, hat braune, halblange Haare, ist etwas kompakt, aber nicht hässlich, ganz bestimmt nicht.
Am auffälligsten ist ihr Blick, der ziemlich verklärt in eine diffuse Ferne gerichtet ist. Es ist ein heiterer, gelassener Blick, ein verklärter Blick, ein besserer Begriff fällt ihm nicht ein. Sie scheint zu warten, denn der Hocker neben ihr ist mit einer blauen Stofftasche belegt, einer einfachen blau-roten Tasche mit ein paar gestickten Worten, die er jedoch nicht entziffern kann. Auf wen wartet Sie? Auf ihren Freund, der an einem der Automaten im hinteren Teil der Kneipe daddelt oder Darts spielt?
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