Auf eine Freundin, die sich gerade auf dem Klo hübsch macht? Er nimmt einen weiteren tiefen Schluck, das Guiness ist am besten, wenn es kühl ist. Er trinkt, wischt sich den Schaum vom Mund, schaut sich im dem Lokal um und wendet sich dann wieder der jungen Frau zu, die immer noch wartet, immer noch ihr verklärtes Lächeln lächelt und dabei leicht abwesend wirkt. Aber so abwesend ist sie dann doch nicht, denn sie nimmt ihn wahr, deutet auf den Hocker neben sich und räumt die bunte Stofftasche weg. „Wollen Sie sich setzen? Setz dich doch.“ Er setzt sich und auf einmal ist er ganz dich neben ihr, ganz nahe an ihrer Seite. Auf einmal ist er nicht mehr allein, muss nicht mehr allein sein Bier trinken, kann vielleicht etwas plaudern, vielleicht sogar flirten, sie scheint ja Unterhaltung zu suchen, sonst hätte sie ihm den Platz nicht angeboten und es ist auch bisher noch niemand gekommen, um sich neben sie zu setzen. Auf einmal ist der leichte Frust wie weggeweht und stattdessen kommt Neugierde auf, aber zugleich auch ein wenig Irritation. Er hat wenig Erfahrung mit einzelnen Frauen in Lokalen, mit Frauen, die an Tresen darauf warten, dass man mit ihnen anbandelt. Er geht selten abends aus und wenn, dann mit Bekannten oder mit seiner Frau, fast nie allein und wenn allein, dann sucht er nicht unbedingt Gespräche oder Kontakte, dann sucht er sich einen einzelnen Tisch und bleibt meist allein. Er taugt nicht zum Small-talk und anbandeln liegt ihm auch nicht. Aber nun hat sich etwas ergeben, ein Schritt ist getan, von ihr getan und nun muss er wohl auch selbst etwas tun. Der Mann muss doch die Initiative ergreifen, der Mann ist doch der, der üblicherweise etwas will. Er ist der Mann, er muss jetzt reden, etwas Allgemeines, Unverfängliches sagen. Aber wie fängt man ein Gespräch mit einer Frau an, die offensichtlich auch allein ist und nicht allein bleiben will, sonst hätte sie ihm ja nicht spontan den Hocker angeboten.
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