Der Kuss

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Der Kuss

Der Kuss

Yupag Chinasky

Ihre Münder drücken sich aufeinander, werden abwechselnd größer und kleiner. Sie saugen gegenseitig an ihren Zungen. Mal zieht er die ihre in die Tiefe seines Rachens, dann lässt er von ihr ab und sie macht genau dasselbe Spiel mit seiner. Sie saugen und stoßen wieder ab. Nach dieser tiefen Phase, die ausgiebig und wechselseitig zelebriert wurde, wandern ihre Zungen über die Lippen, über die Zähne, über die Gaumen und enden immer wieder aufs Neue tief im Schlund, so tief, wie es nur eben geht. Zunge, Lippen, Zähne, wenn er sich ein wenig lösen will, stößt sie nach, drückt ihn an sich. Er will einen Schluck trinken, nur mit Mühe kann er für einen kurzen Moment seinen Mund befreien. Sie trinkt nichts, wartet mit geschlossenen Augen, darauf sofort weiter zu küssen. Sie macht gar nichts mehr, außer Küssen und sich an ihm festklammern und dabei stöhnt sie ganz leise, nur für ihn hörbar. Kaum hört er auf, an seinem Strohalm zu saugen, hat sie das verlorene Terrain wieder zurück erobert und saugt an seinem Mund. Sie drückt sich noch dichter an ihn, presst sofort wieder Mund auf Mund, fängt sofort wieder an, ihre Zunge kreisen zu lassen, einzudringen, auszukosten, nachzuschieben, anzusaugen, links herum, rechts herum, sie tummelt sich vorne, hinten. Ihr Mund schmeckt gut, kein abgestandener Atem, kein Alkohol. Sie wirkt frisch und einladend, aber ihre Augen hält sie die ganze Zeit geschlossen, ihr verklärtes Lächeln bleibt, soweit er das beurteilen kann, denn meistens sind auch seine Augen zu und da ihre Gesichter so nahe beieinander sind, sieht er ihres kaum. Und sie sagt nach wie vor nichts, kein Wort, kein einziges Wort.

Seine recht Hand hat schon längst das Saftglas losgelassen und ist auf Wanderschaft gegangen. Erst wandert sie auf dem nackten Unterarm umher, streichelt die helle Haut, dringt bis zum kurzen Ärmel des roten Kleides.

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