Laura behielt sich aber ein kleines Vergnügen vor. Jeden Mittwoch Abend ging sie mit dem zweijährigen Jon zum Babyschwimmen. Die Nachbarin im oberen Stock, Frau Wehrendt, betreute in dieser Zeit die kleine Sina. Klaas wäre überfordert gewesen. Er arbeitete ja tagsüber hart und hatte das Recht auf zwei unbeschwerte Fernsehstunden, mit Lasagne und Bier. Der Schwimmunterricht für die Kleinen fand in einem Therapiebad für Erwachsene statt. Es war angenehm geheizt. Neun von zehn Elternteilen, die ihre Kleinen begleiteten, waren Mütter. Dann und wann tauchte aber auch ein Vater auf. Die Väter spielten im warmen Nass des Therapiebades unter Anleitung einer ausgebildeten Schwimmlehrerin rührend mit ihren Kleinen. Kaum war aber der Unterricht vorüber, tauchte – sozusagen aus dem Nichts – die Partnerin auf und nahm das Kleinkind an sich. Wenn es also ums Spielen ging, gaben die Männer alles, beim Wickeln, Anziehen und Frisur herrichten übernahmen stets die Frauen.
Es kam wie es kommen musste: Einer der Väter, Markus, hatte es Laura angetan. Ob seine grünen Augen im Wasser intensiver leuchteten als üblich, sei dahin gestellt. Laura mochte seine gelassene Art, seinen Einsatz für den kleinen Sohnemann und, ja, seinen knackigen Hintern. Markus war zudem der einzige Mann, der sein Kleinkind rundum betreute – Ankleiden, Wickeln und Kämmen mit inbegriffen. Er trug stets eine schwarze Badehose, die viel von seinen anatomischen Vorzügen verriet. Lauras Schläfen pulsierten jedes Mal, wenn er sich in der Gemeinschaftsgarderobe auszog. Man war unkompliziert in diesem Elternclub. Hemmungen, sich öffentlich umzuziehen, war höchstens bei den Schwangeren auszumachen, warum auch immer. Die andern entblössten ganz locker Pobacken, Bäuche und Brüste, um sich ins Badezeug oder von diesem zurück in die Strassenklamotten zu begeben. Auch Markus warf diskrete Blicke auf Laura. Wie gesagt, sie hatte nicht die Figur einer klassischen Schönheit. Laura war aber keineswegs unattraktiv mit ihren etwas ausgelutschten Brustwarzen, den Schwangerschaftsstreifen und dem prallen Dellenhintern. Sobald sie im Wasser stand, das ihr bis an die Schultern reichte, kam ihr schönes, volles Gesicht zur Geltung, ihre Lachfältchen, ihre etwas verschütt gegangene Lebensfreude. Markus und sein kleiner Sohn Steffen begaben sich gerne in die Nähe von Laura und Jon. Die beiden Kleinkinder mochten sich und gaben den beiden Elternteilen ihrerseits die Legitimation zu kleinen charmanten Unterhaltungen. Das alles spielte sich in einem sicheren Rahmen ab, im vollkommen unerotischen Kontext einer Kleinkinderschwimmschule.
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