Layla

Agnes' Haus der sündigen Engel

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Dieser ein wenig verhärmte ältere Herr war ein aufmerksamerer Liebhaber als ihr eigentlicher Begleiter, der zwar ein angenehmer Gesprächspartner und zuvorkommender Kavalier war, aber der außer freundschaftlicher Zuwendung nicht viel Herzblut im Genuß verspüren ließ.

In ihr wuchs die Gewissheit einer intimen inneren Berührung und dafür empfand sie Dankbarkeit. Aber sie machte ihr auch Angst. Sie wollte keine Plattform bieten für neue Hoffnungen in der zweiten Lebenshälfte, sie wollte keinen väterlichen Freund, der ihr die liebevolle Variante der hierarchisch geordneten Liebesbeziehung bot, und sie wollte keinen verzweifelten Liebhaber, der sich in neuem Feuer nach ihr verzehrte und ihr damit nicht den umfassenden Respekt entgegenbrachte, sondern einen ganz wesentlichen Teil außer Acht ließ: ihre Freiheit.

Sie hätte ihm, der nun ratlos und schwer halb neben, halb auf ihr lag, liebe, zarte und wahre Dinge sagen können. Aber sie zog es vor, das Augenmerk auf den Bereich zu lenken, in dem Anerkennung Männern immer willkommen ist, ohne dass sie den heiklen Klippen der seelischen Berührung zu nahe kommen musste. Sie lobte unter Einsatz ihres gewinnenden Lächelns seine beachtliche Ausdauer und seine gute Technik mit ein paar anzüglichen, aber nicht allzu derben Worten. Es schmeichelte ihm tatsächlich und damit konnte sie sich mit der frivolen Bitte um ein Abschiedsküsschen auf ihren After der Gefahr von Liebesschwüren und Bitten um ein Wiedersehen entziehen. Das nämlich erregte ihn nun nicht mehr zu sehr und war eben nur ein frecher Wunsch, den er der Höflichkeit halber andeutungsweise und leidenschaftslos erfüllte.

Seine professionelle Begleiterin hatte die Szene aufmerksam verfolgt, genau zugehört und kümmerte sich nun wieder unauffällig um ihren Auftraggeber. Hätte er nur einen Augenblick zu erkennen gegeben, dass er auch an ihren Aktivitäten Interesse gehabt hätte, so hätte sie sicherlich phantasievoll mitgemischt.

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Gedichte auf den Leib geschrieben