Christine war Serviererin im Tea Room in unmittelbarer Nachbarschaft und hatte offenbar eine Vorliebe für weisse Kleidung. Walter hatte sie sogar einmal verraten, dass ihr neues Fahrrad weiss war. Dafür interessierte er sich weniger – dafür umso mehr für Christines gigantischen Hintern, der in der weissen, engen Hose wunderbar zur Geltung kam. Wenn er, müde von der Arbeit nach Hause kam, ging er oft ins besagte Tea Room, um den Alltag zu vergessen. Und tatsächlich: Kaum erblickte er Christine respektive deren Hintern, sauste das Adrenalin in seinen Ohren, und das in eine Schweizer Grossbank nicht nur schlecht investierte, sondern auch unwiederbringlich verlorene Geld kratzte ihn nicht mehr. Besonders erregend war für ihn, zuzuschauen, wie Christine Brotkrümel von den Tischen wischte. Dabei bewegte sie ihren Po sehr leidenschaftlich, wie ihm schien. Walter musste Christines Anus kennen lernen. Unbedingt. Mit Christine wollte er sein Spiegelglaszimmer einweihen.
Daher lud er sie eines Abends zu sich nach Hause ein. Christine war alles andere als naiv. Wenn ein Mann wie Walter eine Frau wie sie zu sich nach Hause einlud, war im Grunde klar, worauf das Ganze hinaus lief. Sie sagte aber zu, denn einem Abenteurechen mit einem der Stammgäste war sie keineswegs abhold.
Liebevoll hatte Walter Bruschetti zubereitet, den Kühlschrank mit “Eve” in verschiedenen Geschmacksrichtungen gefüllt und Oliven auf Zahnstocher gespiesst. Dann klingelte es.
Christine erwies sich als beredte, belesene und unterhaltsame Besucherin. Insbesondere Karen Duve, die herausragende Autorin von Büchern wie “Taxi”, hatten es ihr angetan. Walter war aber bloss von einem einzigen Gedanken beseelt: Wie brachte er dieses vergeistigte Wesen, das doch einem äusserst pragmatisch ausgerichteten Beruf nachging, nämlich dem des Caffe Macchiato-Herstellens, dazu, sich in seinem Spiegelzimmer zu entblössen?
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