Nach mittlerweile einem Jahr hatte er sich langsam an sein neues Leben hinter den Gefängnismauern gewöhnt. Am Anfang war es der reinste Horror gewesen. Die verlorene Freiheit, die durchgefeierten Nächte, perverse Sexorgien mit Frauen und Männern – all das was er wohl nie wieder haben würde, hatte ihm in der ersten Zeit schwer zugesetzt. Hinzu kam der ständige Drill und die Launen der Wärter und vor allem der Wärterinnen. Auch der anstrengende Job in der Gefängniswäscherei und das ständige Gerangel mit den anderen Insassen, wer denn nun das Sagen im Block hatte, trug nicht gerade zu einem Wohlfühl-Gesamtpaket bei. Aber er hatte sich arrangiert. Das einzige was ihm wirklich zu schaffen machte, war der immer noch leicht zu spürende Entzug. Verflucht, er würde einen Mord für ein paar Gramm Koks begehen! Einmal wieder ein paar fette Lines durchziehen und dann ordentlich darauf ficken! Manchmal träumte er nachts davon. Die Tage nach solchen Träumen zogen sich immer endlos hin. Oft saß er dann einfach nur da und starrte die Wand an.
Die einzige Abwechslung in den letzten Wochen waren zwei neue Wärterinnen, die ihren Dienst in der JVA antraten. Er hatte sie sofort wahrgenommen. Beide sehr feminin, fast zarte Geschöpfe. Nicht wie die anderen Kolleginnen, bei denen keiner der Insassen geil wurde – Andrej nannte sie nur die Kampflesben- Truppe.
Beide Neuzugänge waren blond und wirkten irgendwie unschuldig. Er hatte sich gleich beim ersten Anblick gefragt, ob sie wohl der Aufgabe die schweren Jungs im Block zu bändigen gewachsen waren. Oder ob die sich heimlich von den Häftlingen durchficken lassen würden? Andrej musste grinsen. Später erfuhr er noch, dass die beiden ebenfalls aus Polen kamen was die Sache für ihn nur noch interessanter machte.
Aber anscheinend hatte er bei den polnischen Landsleuten kein Glück. In letzter Zeit hatte er sogar das Gefühl, dass die beiden ihn speziell mit besonders verachtenden Blicken straften und mit ihren Kolleginnen über ihn tuschelten. Auch die Kampflesben-Wärterinnen die ihn normalerweise weitestgehend ignorierten, starrten ihn neuerdings hasserfüllt direkt in die Augen. Es beunruhigte ihn.
`Was haben die blöden Schlampen´ dachte er sich des Öfteren. Dann kam ihm der Gedanke, dass das vielleicht mit seinen Vorstrafen in Polen wegen den versuchten Vergewaltigungen minderjähriger Schülerinnen zu tun haben könnte. Er war der einzige im Block, auf dessen Konto das Thema Vergewaltigung ging. Und das kam bei weiblichen Angestellten der JVA sicher gar nicht gut an.
Seine Antwort bekam Andrej, als er wegen eines nichtigen Vergehens plötzlich in Isolierhaft genommen wurde – also ohne jeglichen Kontakt zu seinen Mithäftlingen in eine abgelegene Einzelzelle verbannt wurde und in der es nur eine Holzpritsche gab.
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