Leni berichtet von ihrem bevorstehenden Abitur, das sie bestmöglich abschließen will. Das kluge Mädchen denkt daran Wirtschaftswissenschaften zu studieren, da dieses Fachgebiet verschiedene Möglichkeiten der beruflichen Orientierung bietet. Ich merke an, dass Leni dann ihren Kleidungsstil ändern muss. Paula wirft mir einen tadelnden Blick zu, während ihre langmähnige Nichte kontert.
„Gefallen dir denn meine Leggins nicht? Papa meint auch immer, dass sie zu eng sitzen! Na ja, ich muss halt schon aufpassen, wenn ich mich bücke. So wie vor kurzem in der Schule, als ich an die Tafel musste…“ Paula unterbricht dieses interessante Geständnis: „Erzähl uns doch lieber von deinem Studium, Leni. In welche Stadt zieht es dich denn, wenn du das Abitur hinter dich gebracht hast?“
Ich bin enttäuscht, da ich gerne mehr von Lenis Fauxpas erfahren hätte. Leni ist aber ein braves Mädchen, das artig die Frage der Tante beantwortet. Trotzdem wirft sie mir immer wieder einen neugierigen Blick zu, der mich ziemlich ins Schwitzen bringt. Am selben Abend bekommt Paula einen Anruf von einer Freundin. Mara geht es nicht gut, da ihr Mann sie vor kurzem verlassen hat. Meine Liebste ist besorgt, da es sich bei Mara um eine sehr gute Jugendfreundin handelt. Paula fährt gleich zu ihr, während Leni und ich alleine zuhause bleiben. Ich order Pizza für uns zwei, die wir im Wohnzimmer verspeisen. Nach dem Essen gibt es Rotwein, der uns beide lockerer macht. Leni nimmt das Thema vom Nachmittag wieder auf. „Magst du vielleicht die Leggins-Geschichte zu Ende hören?“
Ich nicke nur, wobei meine Hände feucht werden. Leni erhebt sich vom Sofa, während sie berichtet.
Ich habe eine leise Ahnung, dass diese Geschichte sehr spannend werden könnte. Leni stellt sich in Positur, während ich wie ein Zuschauer im Theater auf ihre Darbietung warte. Sie grinst mich an.
„Ich wurde also aufgerufen. Es geschah in Latein, wo uns der alte Herr Krüger unterrichtet. Der ist so um die 60 und kurz vor der Pensionierung. Ich stand also auf, um mich zur Tafel zu bewegen. Ich hatte so ähnliche Teile wie heut an, und darüber eine hüftlange Hippie-Bluse mit Fledermausärmeln. Die Jungs guckten mir alle hinterher. Ist ja klar bei einer schlanken Brünetten mit langen Haaren, die aber trotzdem weibliche Rundungen besitzt. Herr Krüger drückte mir ein Stück Kreide in die Hand. Er sagte, dass ich einen deutschen Satz auf lateinisch an die Tafel schreiben soll. Latein ist nicht so meins, weshalb ich nervös wurde. Jedenfalls fiel mir dann die Kreide runter, die ich aufheben wollte. Ich hab ja erzählt, dass ich an diesem Tag knappe Tights anhatte, was nun natürlich ungünstig war.“
Lenis Leggins
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