Lernen mit Doris

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Lernen mit Doris

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Emil Lorenz

“ Ich machte eine hilflose Geste mit den Händen. In meinem Kopf tobte ein Orkan. Ich bekam Panik, den Faden zu verlieren. Wie sollte ich das jetzt sagen. „Sag die Wahrheit, sag die Wahrheit“, hämmerte es in meinem Hirn immer wieder.
„Doris, ich kann das so nicht mehr. Es tut mir sehr leid, ich möchte auch nichts kaputtmachen, aber ich kann an gar nichts anderes mehr denken. Du bist überall in meinem Kopf, immer, Tag und Nacht. Ich habe mich in dich verliebt.“ Endlich war es raus. Ein tonnenschwerer Stein fiel mir vom Herzen. Ich hatte noch keine Antwort, keine Reaktion von ihr, aber es war endlich heraus. Doris sagte nichts. Sie verschränkte die Arme vor ihren Brüsten. Ich konnte nicht anders, ich musste hinsehen, als sie nach oben gedrückt wurden und das Tal in ihrem Ausschnitt noch tiefer wurde. Es war nur ein Sekundenbruchteil, aber der genügte. Dann fing sie an zu grinsen.
„Das hat ja lange gedauert.“ Ihre Stimme hatte einen Unterton, den ich bei ihr nicht kannte.
„Von der schnellen Truppe bist du wirklich nicht“, legte sie nach. Mir schwante Schreckliches.
„Denkst du im Ernst, dass ich das alles mache, weil du meinem Opa so ähnlich siehst, du Idiot?“
Ich verstand nur Bahnhof, aber sie schien nicht sauer zu sein. Sie stand plötzlich auf, nahm meine Hände und zog mich nach oben. Ganz dicht stand sie vor mir, den Kopf leicht im Nacken und sah mich an. Dann spürte ich ihre Hände an meinen Wangen und wie in einem Traum kamen ihr Gesicht dem meinem immer näher, bis ihre Lippen meine Lippen berührten. Ihre Zunge klopfte an und ich öffnete zaghaft den Mund. Meine Arme legten sich wie ferngesteuert um ihre Hüften und zogen sie fest an mich. Und dann fühlte ich nur noch Glück. Etwas explodierte in mir. Die Welt drehte sich um mich herum. Plötzlich waren tausende von Schmetterlingen in meinem Bauch.

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