Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wenn mich jemand aus dem Bekanntenkreis gesehen hätte, wie ich mich am Zeitungsregal durch die Hochglanzseiten gearbeitet hätte. In der 7. Klasse hatten wir zwar Sexualkunde, aber diese Unterrichtsstunden waren so voller Peinlichkeit, dass Weghören die einzige Option war. Hätte ich nicht eines Tages einige praxisbezogene Anleitungen meines Vaters auf unserem WC entdeckt, wäre ich vollkommen unvorbereitet auf die Frauenwelt losgelassen worden. So hatte ich aber zumindest eine vage Ahnung davon, worauf es ankam. Ich war einfach viel zu schüchtern und hatte nicht die Bohne Selbstvertrauen. Nun war es so, dass damals im erzkonservativen München der Religionsunterricht für Katholiken und Protestanten noch getrennt abgehalten wurde. Ich war Protestant und gehörte also einer absoluten Minderheit an. Das bedeutete, dass alle Protestanten der 12. Klassen für 2 Schulstunden in einem freien Klassenzimmer zusammengetrieben wurden, um getrennt von den „Gläubigen“ unterrichtet zu werden. Und das war mein großes Glück, denn auch Doris war evangelisch getauft. Und ich saß in der zweiten Reihe, genau einen Stuhl hinter ihr. Ich hatte also ihre dicke, blonde, schulterlange Haarmähne immer für 2 Stunden die Woche genau vor meiner Nase. Unterhalten konnte ich mich deswegen aber auch nicht mit ihr, ich hatte keine Ahnung, was ich hätte sagen sollen. Es kam aber etwas dazu, was mich eines Tages doch veranlasste, über meinen Schatten zu springen. Meine schulischen Leistungen sackten vollkommen in den Keller. In der 9. und 10. Klasse war noch alles schick. Ich hatte durch die 2 Jahre im Kloster einen erheblichen Bildungsvorsprung, den ich aber in der 9. Klasse aufgebraucht hatte, ohne auch nur 1 Bit dazugelernt zu haben. Ich war einfach eine extrem faule Sau.
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