Ich brauchte einige Sekunden, bis ich verarbeitet hatte, was mein Gehör an mein Gehirn gesendet hatte.
„Ähhh, heute? Jetzt?“ Ich hob beschwichtigend die Hände. „Aber nur, wenn du nichts anderes vor hast.“ Sie überlegte kurz.
„Ich habe nichts anderes vor. Bei mir oder bei dir?“
„Wenn es dir nichts ausmacht, bei dir. Meine Eltern arbeiten heute beide.“ Sie lächelte dieses bezaubernde Lächeln.
„Gut, wir müssen aber 2 Stationen mit der Tram fahren, hast du Geld dabei?“
Ich griff in meine Hosentasche.
„Was kostet das denn?“, fragte ich und zählte schon mal das Kleingeld in meiner Hand.
„50 Pfennig, ist Kurzstrecke.“ Kopfrechnen konnte ich gut. 2 Mark und 80 Pfennig glitzerten auf meiner Handfläche. Das passte. Doris ging weiter, ich neben ihr. Ich wurde lockerer, mein Puls fiel wieder unter 200. Sie war so schön. Und es war so schön, neben ihr zu gehen. Zum ersten Mal in meinem Leben ging ich neben einem Mädchen. Wieder kam Panik auf. Ich ging neben einem Mädchen und mein Kopf war wie zugenagelt. Als mein Puls wieder jenseits der 200 war, half sie mir.
„Wo hast du denn Probleme?“, fragte sie und ihre blauen Augen sahen mich wieder an. Verdammt, war mir dieses Thema peinlich. Es wäre einfacher gewesen, wenn sie gefragt hätte, wo ich keine Probleme hatte.
„Hmmhh, Englisch … Mathe … Chemie … Buchführung … Wirtschaftsrechnen … aber alles andere geht so“, ergänzte ich strahlend. Doris musste jetzt lachen.
„Na gut, da bleiben ja auch nur noch Religion, Musik, Werken und Sport“, stellte sie mit einer erschlagenden Nüchternheit fest. Wo sie recht hatte, hatte sie recht.
„Ich bin eben mehr der handwerkliche Typ.“, versuchte ich, die Dramatik etwas zu entschärfen. Wir lachten beide. Es war schön, bei ihr zu sein. Ich fühlte mich wohl in ihrer Gegenwart. Meine Panik schwand im Sekundentakt.
Lernen mit Doris
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