Doris Mama war komplett nett. Eine sehr freundliche und liebenswerte Frau. Wir lachten viel und hatten sehr viel Spaß. Und es fiel kein Wort über meine verhasste Zahnspange. Die hatte ich nach kurzer Zeit vollkommen vergessen, auch beim Lachen, oder gerade wegen dem.
So ging das mehrere Wochen. Mal bei Doris, mal bei mir. Die Pausen in der Schule verbrachten wir inzwischen immer zusammen mit Dagmar. Ich wurde irgendwie ein anderer Mensch. Das schlug sich auch auf die Noten nieder. Das sinkende Schiff bekam wieder Wasser unter den Kiel, dafür hatte ich bald ein anderes, riesiges Problem.
Es hatte Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl gegeben. Doris Mama konnte wirklich super kochen. Ich war inzwischen genauso bei ihnen zu Hause wie Doris bei mir. Wir hatten uns für diesen Tag Physik und Chemie vorgenommen. Doris war vollkommen vertieft in ihre Arbeit, ich kam zu gar nichts, hatte nur Augen für sie. Ich wollte weitermachen, aber ich konnte nicht. Ich legte meinen Stift auf das aufgeklappte Heft vor mir und lehnte mich an die Stuhllehne. Ihre blonden Haare fielen ihr immer wieder vor das Gesicht und sie klemmte sich die störrische Strähne immer wieder hinter das rechte Ohr. Nach ein paar Minuten fiel ihr auf, dass ich nur noch neben ihr saß und sie anstarrte. Sie sah hoch. Unsere Augen trafen sich. Ich blinzelte, aber ich hielt den Blick. Sie legte ebenfalls den Stift aus der Hand und lehnte sich auch zurück. Ihr Blick war fragend. Sie neigte den Kopf etwas zur Seite.
„Is was?“, fragte sie. Mir schlug das Herz bis zum Hals.
„Doris ich …“, verzweifelt angelte ich in meinem Kopf nach den richtigen Worten. „Ich …“ Jetzt schlug ich die Augen nach unten auf ihr Heft, blickte aber sofort wieder in ihr Gesicht.
„Doris ich …“, begann ich wieder, „ich hoffe, ich mache jetzt nichts kaputt, aber ich kann das nicht mehr so.
Lernen mit Doris
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