Da kam sie wieder den Gang entlang. Wie immer mit ihrer Freundin Dagmar. Sie ging in die Parallelklasse des Gymnasiums. Ich war in der 12a, einer reinen Jungenklasse, Doris war in der 12c, einer Mädchenklasse. Für mich unerreichbar, wie in einer anderen Welt. Wir hielten uns in der großen Pause zuerst in der großen Aula im Erdgeschoss auf und trudelten dann 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn, so nach und nach, wieder vor unseren jeweiligen Klassenzimmern ein. Und ab und an, kam sie dann eben, meistens mit Dagmar, gemächlichen Schrittes den Flur entlang auf dem Weg in ihr Klassenzimmer, welches auf der anderen Seite im ersten Stock lag. Sie hätten auch den anderen Weg nehmen können, denn der Gang zog sich im Viereck durch das ganze Gebäude. Aber sie gingen sehr oft diesen Weg. Wir schreiben das Jahr 1977 und jeden Samstag flog Captain Kirk durch die unendlichen Weiten des Weltraums. Ich war gerade 18 geworden, physisch 3 Monate jünger als Doris, vom Kopf her waren es sicher 3 Jahre. Ein großer, blonder, schlanker Junge, der eigentlich nur Fußball im Kopf hatte. Jede freie Minute auf dem Bolzplatz mit meinen Kumpels. Mädchen waren Geschöpfe aus einem fernen Universum. Sehr interessant, aber für mich unerreichbar. Das lag wohl daran, dass ich mit 14 Jahren für 2 Schuljahre in einem Jungeninternat zu Gast war, das ich dann, nach „zu guten Leistungen“ wieder verlassen durfte. Latein hatte mir das Genick gebrochen. Es wären dann noch Altgriechisch, Englisch sowieso und Französisch dazugekommen. Genau mein Ding. Alle diese schönen Sprachen konnte ich stundenlang fließend hören, ohne auch nur ein einziges Wort zu verstehen. Auch hatte ich kurz nach meiner Rückkehr nach München eine feste Zahnspange verpasst bekommen, welche mein Selbstvertrauen restlos in den Keller zog.
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