ein feiner, würziger duft lenkte ihn jedoch abrupt von seinen grübelein ab und ließ eine ferne erinnerung daran in ihm aufsteigen, dass es auch andere, elegantere, geschmackvollere möglichkeiten gab, seinen hunger zu stillen als die eher primitive methode, derer er sich nun schon seit monaten hauptsächlich bediente. und zumindest ein mensch in diesem trostlosen haus schien jene spezielle kunst des lebens, die der feinen küche nämlich, zu beherrschen.
alle wetter, dies sößchen, das dort wohl irgendwo auf einem herd schmurgelte, also dieses sößchen duftete einfach derart verführerisch, duftete nach süßen, reifen tomaten und nach erlesenen kräutern und auch nach einem guten schuss feinen weines, dass er plötzlich nur mehr daran denken konnte, nur mehr daran denken wollte und gar nicht mehr an brot und wurst, seine finger tief in den topf zu stoßen, um sich das, was daran haften blieb, genüßlich in seinen ausgehungerten schlund zu schieben. immer wieder und wieder. so lange, bis nichts mehr davon übrig war.
aber genug jetzt, schluss mit diesen sinnlosen träumereien. raus damit, raus damit aus seinem müden kopf. brot, wurst, käse, wein, tabak, daraus bestand sein menü für heute abend. nicht mehr, aber auch nicht weniger.
zwei etagen noch, der duft wurde immer betörender, immer verlockender, sein hunger größer und noch größer der appetit auf das, was ihn hier unverschämterweise in der nase und im hirn kitzelte. und darum wieder dieser gedanke: mit den fingern, gleich mit den bloßen fingern wollte er das zeug in sich hinein stopfen. jetzt. sofort. hastig, gierig, so lange, bis es nichts mehr hineinzustopfen gab.
dann, endlich, er hatte es fast geschafft, nur noch zwei wohnungen lagen hier oben. seine eigene direkt unter dem dach und die gleich darunter. die, deren tür er gerade passierte. die, in die vor kurzem jene frau eingezogen war. die wohnung, die – himmelherrgott noch einmal, aus dieser wohnung duftete es also so unverschämt lecker! egal. er schickte seinen neid zur hölle. nur noch ein paar stufen galt es zu meistern. und dann war alles gut für heute.
Die letzte Ingredienz
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Die letzte Ingredienz
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