Liebe

Eine Geschichte geschrieben von Anita & Sina

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Liebe

Liebe

Anita Isiris

Würden wir unseren sexuellen Impulsen nachgeben, dann würde man uns wohl wegen unzüchtigem Verhalten einsperren- möglicherweise sogar rechtmäßig. Was ich damit sagen will ist, dass zwischen Anita, Boumedien und mir diese Hemmschwellen fielen und in uns das genaue Gegenteil unserer alltäglichen Persönlichkeiten beherrschte. Der Sex wurde für den Zeitraum von fünf Tagen und Nächten zu unserem Lebensmittelpunkt, zu unserem Lebensinhalt. Anita und ich sind und waren nie lesbisch. Und doch liebten wir uns mit leidenschaftlicher Hingabe. Boumedien war unser Freund, unser Spielzeug, unser Liebhaber. Kaum etwas war uns unwürdig. Und wir lachten. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viel befreit gelacht, wie in der Woche mit Anita und Boumedien. Wir waren zärtlich und behutsam miteinander, wir waren geil und vulgär, wir fickten miteinander und liebten uns. Heute weiß ich, dass wir drei etwas Außergewöhnliches erlebten. Es war Liebe.

Zyniker würden jetzt sicher behaupten, dass ich Sex mit etwas ganz anderem verwechsle. Ich habe dem entgegenzusetzen, dass es kein Zufall oder gar eine Art verlängerter One-night-stand Erfahrung war. Was wir erlebt haben, hatte nichts mit gestellter Pornographie zu tun. Wir hatten diese Begegnung, weil es so sein sollte. Mit keinen anderen Menschen ist mir so etwas wieder geschehen. Ich liebte Anita und ich liebte Boumedien, auf körperliche und auf seelische Weise.

Dann war es plötzlich vorbei. So wie wir zusammengefunden hatten, mussten sich unsere Wege auch wieder trennen. Ich fuhr zurück nach Köln. Ob Anita und Boumedien nach meiner Abreise noch Zeit miteinander verbrachten, weiß ich nicht. Ich verabschiedete mich so friedvoll und in dem Gefühl tiefster Akzeptanz, dass mein Lebewohl sehr schwer viel. Als ich den beiden ankündigte, dass ich zurück nach Hause müsse, zeigten sie Verständnis und versuchten mich nicht zurückzuhalten.

Heute, einige Jahre nach unserer Dreisamkeit, denke ich an unser Erlebnis mit aufrichtiger Dankbarkeit zurück. Boumedien habe ich nicht wiedergesehen. Anita dafür umso häufiger. Vor dem ersten Wiedersehen hatte ich etwas Furcht, die aber unbegründet war. Ich habe mit meiner besten Freundin seitdem nicht mehr geschlafen. Aber wir haben ein Ritual, das uns ohne Worte an unsere einzigartige Verbindung erinnert. Wenn wir uns begrüßen und niemand es sehen kann, streicheln wir uns gegenseitig über unseren Schritt. Das hat nichts primitives, sondern ist Ausdruck unserer Innigkeit. Wir sprechen nicht darüber, und ich weiß nicht, ob es für Anita dasselbe bedeutet, wie für mich. Für mich heißt dieses vorsichtige Streicheln: „Ich weiß wer du bist, du weißt wer ich bin.“

Naja, ich muss gestehen, dass es jedes Mal auch wahnsinnig kribbelt zwischen den Beinen. Wir machen das auch heute noch, obwohl wir beide wieder in festen Händen sind.

Ich liebe sie noch immer.

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