Liebe machen auf dem Atlantik

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Liebe machen auf dem Atlantik

Liebe machen auf dem Atlantik

Anita Isiris

Samira machte sich keine derartigen Gedanken. Immer wieder hatte sie Loris beschwichtigt.
«Es sind ja nur ein paar Monate», hatte sie gelächelt, «und ich brauche einen Tapetenwechsel, ich brauche ihn wirklich», hatte sie ihm gesagt und ihrem Freund zugleich versichert, dass sie als Krankenschwester hochbeschäftigt sein und wohl kaum Zeit für Eskapaden haben würde.
Wehmütig sah Loris ihr nach, Samiras wehenden schwarzen Locken, und er warf einen letzten Blick auf ihre Hüften und ihren Jeans-Entenpopo, der ihn auch noch nach so vielen Jahren unendlich reizte. Samira.
Kaum hatte sich die junge Frau ausgewiesen, wurde sie von einem der Offiziere freundlich begrüsst und zu einer Gruppe weiterer Bord-Krankenschwestern geführt, mit denen sie nun zusammenarbeiten würde. Natürlich war die Arbeitssprache Englisch. Samira hatte intensiv gelernt und geübt, auch etwa, was die Fachausdrücke auf einem Schiff anging: Bug, Heck, Backbord, Steuerbord, Mittschiffs, Luv, Lee, Decks, Treppenhäuser, fore, mid, aft, Kabinen, Bullaugen, Schotten und Reling.
Das Schiff war gewaltig, verfügte über mehrere Theater- und Kinosäle, drei Pools, fünf Restaurants und was der Annehmlichkeiten mehr sind. Wichtig war für Samira und ihre Kolleginnen natürlich das Ambulatorium und das Material- und Medikamentenlager mit Spritzen und Pflastern gegen die Seekrankheit sowie mit Verbandsmaterial für allfällige Schnitt- und Sturzverletzungen gefüllte Schränke. Samira hatte sich erkundigt – sie würden sehr viele Seetage verbringen, Tage ohne Sicht auf einen Hafen, daher war eine gute und aktiv kontrollierte medizinische Ausstattung, um den Ansprüchen und Eventualitäten der Gäste genügen zu können, von grosser Bedeutung.
Samira hatte Glück: Ihre Schlafkabine lag Mittschiffs, also im Bereich, der empfindlichen Gästen vorbehalten war.

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