Herr Ulrich, der Gast, hatte wohl einen Hinterwandinfarkt, und das mitten auf dem Atlantik. Der nächste Hafen lag Stunden entfernt.
«No Nitro», bemerkte Dr. Okafor. «Blood Pressure’s too low, it could be the right ventricle.»
Samira verabreichte dem Patienten eine Aspirintablette, worauf dieser das Gesicht verzog. Dann wurde der Mann ins Bordhospital transportiert.
Samira, durch das Ereignis sehr aufgekratzt, machte sich auf den Weg in eine der Bars, die dem Schiffspersonal vorbehalten waren. Sie bestellte sich einen Apérol Spritz und verschlang gleich zwei Lachsbrötchen. Der Offizier hinter ihr betrachtete wohlwollend ihren Entenpopo.
«Jus primae Noctu», murmelte er lüstern zu seinem Berufskollegen, der in seiner Brieftasche kramte.
Obwohl die Regeln an Bord sehr streng waren, was sexuelle Nähe anging, obwohl die Standards Gäste ausschlossen: Der Schiffscrew verwehrte es niemand, wenn sie sich untereinander vergnügten – es war das, was Erynnia unter «Kreuzfahrt plus» verstanden und erwähnt hatte. Loic, der Offizier mit den leuchtend grünen Augen, den kecken Laubflecken auf den Nasenflügeln und den Handrücken, lud Samira zu ihrem Drink ein und verwickelte sie in ein Gespräch. Sein Blick ruhte auf ihr, was sie aber nicht als aufdringlich, sondern als beschützend empfand. Der Mann begleitete Samira an einen kleinen Tisch am Rand des Lokals und suchte ganz offensichtlich ihre Nähe. Erynnia zwinkerte, und es war nicht klar zu ermitteln, ob das Zwinkern Samira oder Loic galt. Die beiden unterhielten sich bestens; Samira erzählte von ihrem drängenden Wunsch, einmal etwas anderes zu erleben als den durchstandardisierten Spitalalltag, Loic erzählte ihr von seiner Leidenschaft als Pferderennreiter. Was Loic aber am allerliebsten ritt, waren Frauen.
Liebe machen auf dem Atlantik
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