Dieser unerwartete Glücksfall kam ihm wie eine persönliche Botschaft vor, wie eine Einladung, den geheimnisvollen Wald zu betreten. Er folgte dem sich windenden Pfad, der zwar schmal war, aber anscheinend häufig benutzt wurde, denn der Boden war fest gestampft und ohne Bewuchs. Nach vielleicht dreihundert Metern, die er in einer schattigen, duftenden, von Insekten- und Vogelgekreisch erfüllten Zauberwelt gegangen war, stieß er auf den Zaun. Spätestens hier hätte der Vorstoß in den jungfräulichen Dschungel ein Ende gefunden, doch in dem Zaun befand sich eine schmale Tür, die in die Freiheit, in die wahre Welt führte und die überraschenderweise offen war. Zwar hing eine verrostete Kette am Türrahmen und im letzten Kettenglied steckte ein großes, blankes Vorhängeschloss aus Messing, das sogar Spuren von Öl aufwies und somit wohl in Gebrauch war, aber das Schloss war offen. Er zögerte einen Moment, den Schritt in die Außenwelt zu wagen. Was würde passieren, wenn jemand die Tür in der Zwischenzeit verriegeln würde? Das wäre zumindest unangenehm und lästig und er müsste einen sehr großen Umweg bis hin zum Haupttor machen. Doch da er auf seinem bisherigen Weg keinem Menschen begegnet war, keinem Angestellten, keinem Gärtner oder Wächter und auch keinem Touristen, schlüpfte er durch das halb offene Tor und stapfte weiter auf dem Pfad, weiter hinein in den dichten Wald, sorgfältig darauf achtend, dass die spitzen Dornen des Gestrüpps, das den Weg nun säumte und ihn an Dornröschen denken ließ, ihn nicht zu sehr belästigten. Nach einer guten Viertelstunde stieg der Pfad an und endete auf einer Lichtung, die auf einer kleinen Anhöhe lag. In deren Mitte stand ein einzelner, hoher prachtvoller Baum. Ein König unter den Bäumen, gerade und ebenmäßig gewachsen, mit ausladenden Ästen, die erst in beträchtlicher Höhe die Krone bildeten.
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