Der Liebesbaum

6 14-22 Minuten 0 Kommentare
Der Liebesbaum

Der Liebesbaum

Yupag Chinasky

But now come to me, my love-me-do, hurry up, don’t hesitate!“. Als sie sich nach diesen Worten gar auf den Rücken legte und begann, ihren Rock hochzustreifen, ergriff ihn Angst, Ablehnung und Widerwillen. Ernüchtert erwachte er aus der seltsamen, erotischen Stimmung, die wieder begonnen hatte, ihn zu erfassen und verließ panikartig die Lichtung. Beim Abendessen sah er die Frau, doch sie schien in nicht zu erkennen, worüber er ganz froh war. Auch diese Nacht war beherrscht von Angstträumen und Panikzuständen und erst der Morgen brachte Erlösung. An diesem Abend widerstand er der Versuchung, zu dem Baum zu gehen. Am nächsten Abend hielt er es nicht länger aus und ging in den Wald, aber diesmal war das Tor abgeschlossen. An den beiden folgenden Abenden war er hin und her gerissen, ging aber letztlich doch nicht.

Doch dann kam der letzte Abend. Früh am nächsten Morgen würde er mit einem Bus zum Flughafen gebracht werden und schon einige Stunden später wäre er wieder in seiner vertrauten, langweiligen Zivilisation, im tristen Grau des Alltags, fern jeder Exotik. Die Verlockung, dieses seltsam prickelnde Gefühl des ersten Abends noch einmal zu erleben und der Wunsch die erotische Wirkung ein letztes Mal auszukosten waren übermächtig und vertrieben die Angst vor der schrecklichen Nacht, den Preis, den er zu bezahlen hatte. Am späten Nachmittag, früher als sonst, machte er sich auf den Weg.

Als er auf der Lichtung ankommt, herrscht noch die Hitze des Nachmittags. Grillen zirpen und wieder nimmt er dieses seltsame, sirrende, raschelnde Geräusch wahr, das nicht von Insekten stammt. Er setzt sich unter den Baum, mit dem Rücken an den Stamm gelehnt und gibt sich erneut der beruhigenden, zugleich aufwühlenden Stimmung hin, die ihn rascher als beim ersten Besuch erfasst hat. Er schließt die Augen und genießt die Wellen der Lust, die durch seinen Körper strömen.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 17693

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben