Liebesdienst

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Liebesdienst

Cai Huaxin

Sie rückte die obere - ihre rechte - Schulter etwas zurecht. Ganz offensichtlich wanderte ihre rechte Hand nun an ihrem Körper hinab. Eine Weile lang konnte ich außer dem Spiel der Muskelstränge auf ihrer Schulter und dem Oberarm keine Bewegung erkennen. Zu hören war auch nichts, bis Julia plötzlich lange und tief einatmete. Dabei senkte sie ihren Kopf ein wenig, so dass ihr Mund jetzt geöffnet auf dem Laken lag und sie nur am Mundwinkel vorbei Luft holen konnte. Die Bilder erregten mich mehr als ich für möglich gehalten hatte, aber gleichzeitig empfand ich auch eine leichte Scham, weil ich gerade zu einem üblen Voyeur wurde, und darüber hinaus empfand ich eine erhebliche Verärgerung, dass Julia mich zu einem von vielen Voyeuren machte. Aber als sich ihre Augen nach wenigen Minuten schlossen, und ihre Schulter sich deutlicher und zielgerichteter bewegte, wischte meine Erregung meinen Ärger beiseite, und ich schaffte es, nicht weiter an die tausenden anderen Widerlinge zu denken, die diesen wundersamen Moment ungefragt mit mir teilten und ihn im schlimmsten Fall sogar langweilig fanden. Julia atmete mittlerweile hörbar schneller. Ich sah erst jetzt, dass der Clip schon fast zu Ende war, nur noch vierzig Sekunden zeigte der rote Balken zu meinem größten Bedauern. In meiner Vorstellung nahm ich vorweg, wie die letzten Bilder aussehen würden, wie Julia noch einmal lange und entspannt schnaufen oder seufzen und sich dabei auf den Rücken fallen lassen würde. Dann sähe sie vielleicht noch einmal direkt in die Kamera um mir, mir!, etwas zu sagen, doch nichts davon geschah. Stattdessen hörte ich unmittelbar vor dem Ende der Laufzeit plötzlich im Film die amüsierte Stimme eines Mannes: "He, was machst du Luder denn da mit der Kamera? Soll ich dir helfen...?"
Schnitt.

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