Gestillt wurden die Kinder dann heimlich… von ihren leiblichen Müttern, den Mägden, denen es schier das Herz zerriss. Das eigene Kind am eigenen warmen, prallen Busen, ohne den geringsten Anspruch auf den Nachwuchs erheben zu dürfen. Wenigstens waren diese von Mägden geborenen Babys wirtschaftlich abgesichert und wurden zur Jagd, zum Krieg, zum Sticken oder Spinnen erzogen.
Lino beschleunigte den Schritt, teilte das Schilf mit einem Schweizer Dolch, einem Prototyp des modernen Schweizer Taschenmessers. Dann hörte er die Schreie. Da waren also tatsächlich Frauen auf dem Hof! Das Herz der Söldnerrotte schlug schneller. Frauen waren doch das Allheilmittel gegen ihren Triebstau. Es handelte sich aller Voraussicht nach um Mägde, und die waren dazu da, von gedienten Söldnern gepflügt zu werden.
Den Geräuschen folgend, drängte es die Männer zu den Ställen. Zuerst wüteten sie noch gehörig im Innenhof, verzetteten die ordentlich aufgestellten Werkzeuge und Mistgabeln. This, der Jüngste, konnte Kuno, seinen älteren Bruder, nur knapp daran hindern, das Haupthaus in Flammen aufgehen zu lassen. Söldner liebten Flammen, Blut, Schreie und verbranntes Menschenfleisch. Sie waren verroht und hatten über Jahre nichts anderes kennengelernt. Ein letztes Wüten, ein letztes Marodieren… und dann über den Simplon zurück in die Schweiz, ins Wallis, in den Schoss ihrer Familien, auch im Bewusstsein, dass die Kinder, die ihre Frauen in der Zwischenzeit geboren hatten, von anderen Männern gezeugt waren als von ihnen selbst – von marodierenden Horden, die aus den Wäldern hervorbrachen und die Frauen, die sich nirgends verstecken konnten, rannahmen. Aber das gehörte zum Krieg.
This schauderte, denn er wusste, was als Nächstes geschehen würde. Die grölenden Söldner fielen in den grössten Stall ein und bedrängten zwei junge Mägde, die sich aufs Haar glichen. Zwillingsmägde!
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