„Der Nächste“, sagte er in befehlsgewohntem Ton und machte eine einladende Geste.
This verspürte Übelkeit. Er liebte Frauen offenen Herzens, und selbstverständlich hätte es auch ihm gutgetan, hätte er sich nach den entbehrungsreichen Söldnerpfaden wieder einmal an einer Frau wärmen können. Aber auch wenn es damals noch keine eigentlichen Frauenrechte gab, spürte er, dass hier Unrecht geschah. Selbst wenn beide Mägde jetzt das Kreuz durchdrückten und neckisch ihre Kehrseite herzeigten, war ihm unwohl. Viel lieber hätte er sich direkt auf den Weg über den Simplon gemacht, zurück zu seiner Familie, und die Rückkehr mit Absinth, Schlupfnudeln, Wildbret und Rosenkohl gefeiert.
Still und unbemerkt schlich er sich rückwärts aus dem Stall, weg vom Ort des Geschehens. Ihm war bewusst, dass aufs Desertieren die Todesstrafe stand. Todesstrafe bedeutete unter Söldnern, dass dem Fehlbaren der Kopf abgeschlagen wurde. Dann wurde der Schädel mit einer Säge in der transversalen Ebene aufgetrennt. Der obere Teil der Kalotte wurde als eine Art Kalebasse genutzt, aus der reihum die Hirnflüssigkeit geschlürft wurde. Das Gehirn selbst galt als besondere Delikatesse. This schauderte. Trotz dieser entsetzlichen Vorstellung entfernte er sich blitzschnell vom Hauptstall und trat hinter eines der Gebäude. Dort stand ein riesiger Heuhaufen, hinter dem sich This erst einmal erleichterte. Dann sah er sie. Die feine, zarte Hand, die sich im Heu verbarg und nur wegen der hellen Haut erkennbar war. Als würde er magisch angezogen, griff This nach der Hand. Sie war warm und voller Leben. This zog eine zierliche, mit schwarzer Lockenpracht geschmückte Frau aus dem Heuhaufen. Bekleidet war sie nur mit einem dünnen Hemdchen. This war hin- und hergerissen zwischen Begehren und Mitleid. Wortlos strich er dem Bauernmädchen über die Wangen und pflückte ein paar Strohhalme aus ihrem Haar.
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