Er verdrängte den Gedanken, dass in den nächsten Minuten die gesamte Söldnerrotte über Lina herfallen könnte. Lina drückte wortlos seinen Oberarm, drehte sich um und verschwand, flink wie eine Gazelle, hinter einem Gebüsch. Als Letztes sah er den Zipfel ihres Hemdchens.
This trottete zurück zum Stall, zurück zu den restlichen Söldnern. Sie hatten sein Fehlen gar nicht erst bemerkt und waren noch immer grölend an den beiden Mägden zugange. Kneten, peitschen, würgen, vögeln. Das war es, was die jungen Männer mit Maria und Fulvia taten. Dann fesselten die Söldner die beiden splitternackten, erschöpften Frauen lachend an einen Stallpfosten. Dann trat Kuno hervor, entzündete getrocknetes Moos und warf es ins Heu. Der gesamte Stall fing sofort Feuer. Die erstickten Schreie der beiden Mägde würde This niemals mehr aus seinem Gedächtnis verbannen können. Die Männer flüchteten ins Freie, überwältigt von der Geschwindigkeit, mit der das Feuer um sich griff. Hustend, fluchend und spuckend stürmten sie ins Wohnhaus, das nächstens ebenfalls in hellen Flammen stehen würde, und zerrten eine kleine Truhe hinter dem Ofen hervor. Erfahrungsgemäss horteten nahezu alle Bauern ihr Haushaltsgeld und das Ersparte hinter dem Ofen.
Dann hörte es This als Erster. Das Geräusch. Berittene Soldaten der feindlichen Legion stürmten heran. Als sie der brennenden Gebäude gewahr wurden und feststellten, dass die Brandschatzer noch vor Ort waren, machten sie kurzen Prozess. Mit steinernen Mienen zogen sie ihre Langspeere und Dolche und löschten Linos gesamte Söldnertruppe innert weniger Minuten aus. This flüchtete sich in den oberen Stock des Wohnhauses und hätte sich beinahe ein weiteres Mal übergeben. Zwei halbverweste Leichen, denen Mäuse und Ratten bereits die Augen ausgefressen hatten, lagen im dunklen Korridor. Beinahe wäre This über sie gestolpert. Möglicherweise waren Lino und seine Söldner hier nicht die ersten Marodeure.
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