Lockdown - Des Dramas zweiter Teil

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Lockdown - Des Dramas zweiter Teil

Lockdown - Des Dramas zweiter Teil

Anita Isiris

Allmählich fanden beide ihren Rhythmus, und man hörte nur das leise Schwappen des Wassers und das heftige Atmen der beiden Liebenden. Marco schob sich eine von Mariangelas drallen Brustwarzen in den Mund und nuckelte genussvoll, während er sie mit langsamen, kräftigen Stössen nahm.

Mariangelas Orgasmus war gewaltig. Sie klammerte sich an den Badewannenrand, und Wellen der Erregung durchfluteten ihren Körper. Sie brannte lichterloh, und Marco stiess in sie, wieder und wieder, bis sie nahezu das Bewusstsein verlor.

Dann liess er von ihr ab, kletterte aus der Wanne, reichte ihr ein Badetuch und frottierte sich selbst trocken. „Baden ohne Mundschutz ist doch wohl noch erlaubt, oder?“, meinte er trocken und nahm einen flauschigen Bademantel vom Bügel hinter der Tür. Er war blau, mit aufgenähten güldenen Sternen. „Hier – sonst erfrierst Du mir noch“, sagte er fürsorglich und schaute in den Spiegel. Keine eingefallenen Wangen, kein Haarausfall, nichts. Marco war noch immer erfreulich gesund, sollte doch Covid-20 mit den anderen Menschen machen, was es wollte.

Dann zog es ihn, Mariangelas Verlockungen zum Trotz, zu seiner Familie nach Hause. Er umarmte seine Kollegin innig, drückte ihre Hand und zog sich an. Als er sich seufzend ins Freie begab, ahnte er, dass er einen Fehler begangen hatte, aber es war zu spät. Die untere Eingangstür schloss sich, die Klingeln waren ausser Kraft gesetzt. Es gab kein Zurück, Marco konnte Mariangela durch nichts auf sich aufmerksam machen.

Es hatte wieder zu schneien begonnen. Ein einzelnes Auto mit kroatischer Kennzahl näherte sich langsam. Ahnend, dass alle Verkehrsmittel stillgelegt waren, stellte Marco sich dem Subaru verzweifelt in den Weg. Die blonde Fahrerin mit den eingefallenen Wangen öffnete schweigend die Tür. „Belp“, sagte Marco zu ihr. „Ich muss nach Belp“. Mit glasigem Blick fuhr die Frau Richtung Ausserholligen, wo sie abbog.

Auf der Höhe von Wabern begannen Marcos Atembeschwerden. Gleichzeitig stellte er fest, dass ihm das Haar büschelweise ausfiel. Die Frau richtete den Blick auf die Strasse, nahm den Weg nach Kehrsatz, und kaum verliessen sie den Ort, rang Marco zum ersten Mal intensiv nach Atem. Seine Hände krallten sich am Beifahrersitz fest. Das Rauschen in seinen Ohren wurde lauter. Sein Blick verschwamm. Nur noch schemenhaft nahm er den Belper Bahnhof wahr, wo die Frau die Tür öffnete und ihn aus dem Auto stiess, so, als müsste sie sich seiner entledigen.

Vor dem Restaurant Puccini brach Marco zusammen. Heftige Schneewehen hatten eingesetzt und deckten den am Boden liegenden Mann zu. Seine letzten Gedanken galten dem Mädchen mit den Sterntalern. Unnatürlich grosse Schneeflocken wandelten sich in Goldstücke, die um den erfrierenden und noch immer um Atem ringenden Marco herabrieselten.

Dann spürte er noch einmal die Wärme von Mariangela in ihrer Badewanne und dann nichts mehr.

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