Lockdown Date

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Lockdown Date

Lockdown Date

Claudia Carl

Zum Glück ist sein Hemd auch ziemlich eng, es spannt am Bauch und lässt ein bisschen Haut sehen, als er sich in der Tagesbar des Luxushotels mir gegenüber niederlässt. Auch mein Kleid ist relativ eng, es liegt an meinem Körper an, aber ich passe noch hinein. Es ist das Kleid, das ich trug, als ich ihn vor 17 Jahren kennenlernte.

Wir haben uns seit zwei Jahren nicht gesehen, aber wir hatten seit unserer Trennung vor 13 Jahren immer Kontakt. Der Kontakt ging meist von mir aus, aber er war rein verbal, nie hatte ich die Absicht, ihm wieder körperlich näher zu kommen. Ich hatte ja nun eine feste, richtige, bessere Beziehung. Er war seinerzeit verheiratet und hatte auch noch mindestens eine andere Geliebte, was mich sehr verletzte. Glücklicherweise brachte die letzte davon, die ich kennenlernte, mich dazu, meine Sucht nach ihm zu beenden.

Vor dieser Sucht hatte ich all die Jahre Angst, deshalb forcierte ich keine Treffen. Aber ich hatte auch noch diese Liebe zu ihm, die einfach blieb. Und ich liebe es auch, Kontakt zu ehemals konfliktträchtigen Beziehungen aufrecht zu erhalten, um die alten Wunden zu heilen. Wir haben uns also dann irgendwann doch getroffen, vor zwei Jahren. Und einfach so geplaudert. Lag etwas in der Luft? Wir gingen noch in die Bar und saßen nebeneinander und berührten uns. Aber es gab keine Wünsche von uns, in ein Hotel zu gehen so wie früher, als wir unser ganzes erstes Jahr nur in diversen Hotels unserer Heimatstadt verbrachten.

Er hat zugenommen im Vergleich zu unserem Treffen vor zwei Jahren, übrigens am selben Ort. Sogar im Gesicht sieht man das. Er ist ja nun auch schon 66 Jahre alt und Rentner, nicht mehr der coole vielreisende Manager.

Wir sitzen um 19 Uhr an dem Tisch in der fast leeren Tagesbar. Ein, zwei weitere Tische sind besetzt von mutigen Corona-Zweiflern, die keine Angst vor Ansteckung haben, wo wir uns doch an diesem Tag gerade mal wieder in München in einem angeblichen „Hotspot“ befinden. Die Maskenpflicht im Freien gilt wieder in der Innenstadt, weshalb ich hinten rum gefahren bin, mit Bus und Tram statt mit der U-Bahn. Ich setzte keinen Fuß in die Innenstadt, solange dies gilt. Und es gibt viele, die das nicht tun, wie die Klagen der Innenstadt-Geschäfte angesichts der letzten zweiwöchigen Maskenpflicht zeigten. Dann wurde sie wieder aufgehoben, nun wieder eingeführt. Sie wollen alles kaputt machen, das sieht nun langsam auch der Dümmste.

Eines der tollsten Dinge an diesem Abend ist, dass wir über unsere verschiedenen Meinungen lachen können. Dass wir uns gemeinsam lustig machen können über mein Surfen im „Darknet“ wie er sagt, wo ich die Verschwörungstheorien finde, und seine pure Information aus den Mainstream Medien. Es macht Spaß, zu sagen: Ich hab da übrigens noch was aus dem Darknet…. Und dann lachen wir beide und er macht sich lustig, gibt aber gleichzeitig zu, dass diese Information ihm total neu ist und dass er sie in keiner Zeitung gelesen hat, obwohl das doch eigentlich deren Aufgabe sei. Etwa dass unser Gesundheitsminister sich mit seinem Gatten eine Villa für mehrere Millionen Euro gekauft und inzwischen jedermann verboten hat, den Kaufpreis zu nennen. Man darf also nur noch sagen, er ist so hoch, dass man die Zahl der Millionen fast mit den Fingern einer Hand anzeigen kann. Aber das müsste doch aufgedeckt werden, sagt mein Ex gutgläubig, es gibt doch den investigativen Journalismus. Gab es mal, das versteht er an dem Abend glaube ich. Oder dass, wie ich von einer Italienerin aus Bergamo weiß, man dort den Leuten, deren Abgehörige starben, einen Deal anbot: Wenn sie sagen, der Mensch sei an Corona gestorben, dann wird ihnen die Beerdigung bezahlt.

Jetzt ist er wirklich betroffen. Das wäre ja wirklich Betrug, sagt er. Und im selben ratlosen Tonfall: Warum machen sie die Wirtschaft so kaputt? Aus Unwissen? Jetzt schweige ich lieber, denn meine ganze Darknet-Theorie würde ihn jetzt überfordern.

Wir sind nach dem Essen in ein Cafe nebenan gegangen. Es ist 23 Uhr und es ist leer. Draußen sitzt eine kleine Gruppe Menschen unter einem Heizstrahler, wahrscheinlich Corona-Gläubige, die diesem Drosten glauben, dass Corona in frischer Luft nicht so gefährlich sei. Die obere Etage des Cafes ist ganz geschlossen, unten sind noch zwei Tische besetzt, aber innerhalb weniger Minuten gehen diese Personen auch, mit Masken bewehrt. Sie haben wohl schon die noch nicht geltende Sperrstunde von 23 Uhr verinnerlicht.

Jetzt sitzen wir hier alleine, nebeneinander. Es gibt keinen Alkohol mehr, das hat unser lieber Ministerpräsident Markus Söder, über den wir auch den ganzen Abend lachen, verordnet. Die Gastronomie muss einfallsreich sein. In der Tagesbar mussten wir um 21.30 Uhr die letzte Alkoholbestellung machen, im Cafe liegt ein Zettel auf dem Tisch, auf dem steht: Alkohol. Last Call 21.45 Uhr.

Wir befinden uns in Zeiten der Prohibition.

Da ich seit Jahren keinen Alkohol trinke, macht es mir persönlich nichts aus. Ich finde es sogar lustig, das Leiden der Alkoholtrinker zu beobachten, wenn sie etwas anderes trinken müssen. Der Kellner empfiehlt ihm einen Cordino mit Wasser und Eis. Frauengetränk, sagt er nach dem ersten Schluck. Wir sitzen eng nebeneinander und er schiebt seine Hand auf meinem Oberschenkel immer höher. Da es kalt ist, habe ich eine unsexy Strumpfhose an, nicht die halterlosen Strümpfe, die sich eigentlich für ein Date gehören.

Es ist nun halb eins und wir sind die Letzten. Wie kommst du heim, fragt er. Vor zwei Jahren habe ich noch ängstlich abgelehnt, dass er mich nach Hause fährt, aus Angst vor etwas, das geschehen könnte. Heute nehme ich gerne an. Wir gehen zum Parkhaus des Hotels Mandarin Oriental. Er hat ganz oben geparkt, im siebten Stockwerk. Dort oben ist es total leer. Wir können in die Fenster des Luxushotels gegenüber schauen. In einigen Zimmern ist Licht, doch kein Mensch zu sehen.

Es ist kalt hier oben und ich umarme ihn, ich schiebe meine Hände unter seinen Mantel und stelle mich auf die Zehenspitzen, um an seine Lippen zu kommen. Wir haben eindeutig den Mindestabstand unterschritten und ich küsse ihn. Er öffnet die etwas zittrigen fremd gewordenen Lippen, wir küssen uns inmitten dieser leeren Lockdown Stadt. Ich schiebe mich näher an ihn und nehme seine Hand, führe sie zu meinem Busen unter dem engen roten Kleid von damals, es ist leicht herunterzuschieben und mein Busen erstarrt fast in der Kälte auf dem Parkhausdach, doch es ist auch wunderbar, seine Hand darauf zu spüren. Eine Hand, die mein Herz öffnet. Nein, mein Herz ist schon lange offen, dadurch, dass wir den ganzen Abend gelacht haben. Wir sind hier oben total allein, es ist etwa fünf Grad kalt, aber uns wird heiß. Ich öffne seinen Hosengürtel und hole etwas heraus, das ich 13 Jahre lang nicht gesehen und gespürt habe. Es ist hart und muss hier fürchterlich frieren.

Wir schauen in die erleuchteten Zimmer des Hotels nebenan. „Da kriegen wir heute sicher ein Zimmer zum Sonderpreis!“ sage ich. Reisebeschränkungen, keine Touristen, Sperrstunde, kein Alkohol, die Lichter im ersten Stock, wo die Bar ist, längst gelöscht – alle Hoteliers sind mit den Nerven und den Finanzen am Ende.

„Komm, wir gehen rüber und mieten ein Zimmer“, sage ich.

Meine Hand in seinem Hosenschlitz kann ihn überreden. Wir fahren mit dem Lift wieder hinunter und gehen zur Hoteltür. Eine wunderschöne Glastür, die in ein warmes, luxuriöses Ambiente führt. Alles ist dunkel, die Tür ist zu. Doch mein Herz ist jetzt offen und meine Muschi auch, ich will. Wir klopfen an die Glastür. Eine Weile geschieht nichts, dann erscheint ein Wachmann mit bösem Blick hinter dem Glas. Immerhin trägt er keine Maske. Wir machen allerlei Zeichen und Gesten und endlich öffnet er die Tür.

„Haben Sie bitte ein Zimmer frei?“ frage ich.

Seine Augen blitzen böse. Ich öffne langsam den Mantel von meinem Ex und der Wachmann schaut auf meine Hand auf dem, was dort aus der Hose herausragt. Sein Blick wird heller.

„Wir brauchen dringend ein Zimmer, wir zahlen jeden Preis“, sage ich.

Er zögert, schaut sich um, als könne sein Chef hinter ihm stehen. Dann macht er eine Kopfbewegung, die uns hineinbittet und schließt schnell die Tür. Er führt uns zum Lift und drückt auf die 5. „Das ganze Hotel ist leer“, sagt er. „Sonst ist hier alles voll, es ist ein Skandal. Aber Sie können ein Zimmer bekommen….“ Als er das sagt, schaut er mich auffordernd an. Mein Ex öffnet meinen Wintermantel und zieht mein Kleid unter meine Brüste herunter. Der Wachmann grinst. Seine kalte Hand kommt an meine Brustwarze, sie ist auffallend vorsichtig, was gar nicht zu seinem martialischen Äußeren passt. Ich lächle ihn freundlich an. „Es sind traurige Zeiten“, sage ich zu ihm. „Wir brauchen alle mehr Liebe.“ Er legt jetzt seine zweite Hand an meinen zweite Busen.

Im fünften Stock angekommen schreiten wir über dicke Teppiche. Der Wachmann deutet den Flur entlang. „Alles leer“, sagt er. Wir grinsen uns an.

Er öffnet die Tür ganz am Ende. „Das ist die Suite“, lächelt er. Wir treten ein, zu dritt.

Ein herrliches großes breites Luxusbett erwartet uns. Der Wachmann öffnet den Kühlschrank: Champagner! Er holt die Flasche heraus und öffnet sie. Er gießt drei Gläser ein, ich stoße mit den beiden Männern an. Sie trinken ihre Gläser beide auf einen Zug aus, ich drücke mein Glas dem Wachmann in die Hand und er trinkt es ebenfalls aus, während mein Ex mir meinen Mantel abnimmt und mich zum Bett führt.

Gemeinsam ziehen mir die beiden Herren, die immer wieder gierig noch ein Glas des teuren Schampus zu sich nehmen, langsam aus. Ich lasse den Wachmann gewähren bis zu einem bestimmten Punkt. Dann erkläre ich ihm, dass ich heute mit meinem Ex zum ersten Mal nach 13 Jahren wieder Sex haben werde und ob es ihm etwas ausmacht, wenn er uns dabei erst einmal allein handeln lässt. Er darf aber gerne zuschauen. Und auch soll er später belohnt werden.

Die Idee findet er nicht schlecht und lässt sich in einem weichen Stuhl nieder, zieht sich die Hosen runter, gießt sich noch ein Glas Champagner ein und reibt sanft seinen Schwanz, während er das Schauspiel genießt.
Der Zuschauer macht unsere Wiedervereinigung noch prickelnder als geahnt. Der Wachmann hat Geduld und lässt uns langsam und genüsslich alles tun, was wir möchten, ein Prickeln rauscht meinen Körper hinauf und hinab, ich genieße die Berührungen ebenso wie die Blicke des Wachmanns auf meiner Nacktheit. Fast-Nacktheit, denn das ist mein Tick: Ich muss beim Sex immer noch etwas anbehalten, sonst finde ich es nicht geil. Ein hochgeschobenes Kleid, ein runtergezogenes Höschen, ein unter den Busen geklemmter BH.

So vergehen die Stunden im Luxus, und gegen 3 Uhr wecken wir den eingeschlafenen Wachmann auf. Wir finden Kondome in der Nachttischschublade und ich schiebe eines über seinen immer noch harten Schwanz. Er wird erst mit dem Abspritzen richtig wach. Dann darf er sich zu uns auf das sehr breite Bett legen und wir schlafen alle ein paar Stunden.

Von vier Händen auf meinem Arsch werde ich geweckt, aber ich lasse die Augen zu. Die Alkoholfahnen der beiden Männer wehen um meine Nase, ich genieße einfach, was passiert.

Dann bestellt der Wachmann ein Frühstück aufs Zimmer. Wir lassen die schweren Vorhänge zu, essen beim Licht der Nachttischlampen, gönnen uns dann nochmal einen gemeinsamen Nachtisch. Um 8 Uhr muss der Wachmann gehen und sich bei seinem Chef melden. Eine ruhige Nacht, wird er sagen. Wir hängen das Schild „Bitte nicht stören“ an die Tür. Wir hören nichts von draußen, der Flur ist leer, die Zimmer sind leer, ein ganzes großes Münchner Luxushotel nur für unsere Wiedervereinigung. Danke, Markus ! Wir lachen.

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